Polen, neuralgischer Punkt der imperialistischen Weltordnung
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POLEN, NEURALGISCHER PUNKT DER IMPERIALISTISCHEN WELTORDNUNG
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Polen, neuralgischer Punkt der imperialistischen Weltordnung
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Polen, neuralgischer Punkt der imperialistischen Weltordnung
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Während der ganzen Periode der bürgerlichen Umwandlung Europas war Polen wegen seiner internationalen Lage an der Spitze des revolutionären Kampfes.

1773, 1792 und 1795 war es zwischen drei grossen Reichen, Russland, Preussen und Österreich, wiederholt geteilt worden. Nach dem Zwischenspiel von Tilsit, wo sich Napoleon vorwiegend aus dem preussischen Teil ein ihm höriges Grossherzogtum Warschau geschaffen hatte, wurde es 1815 erneut geteilt. Die Wiederherstellung Polens wurde zum Inbegriff der Forderung nach nationaler Einheit. Für das Überleben Preussens war das einverleibte polnische Gebiet unentbehrlich; die Unabhängigkeit Polens war folglich die Bedingung für eine radikale Revolution in Deutschland. Polen war ein Teil des fortgeschrittenen Europas, blieb aber in der halbbarbarischen russischen Festung gefangen und befand sich somit in vorderster Front unter der Fuchtel des zaristischen Gendarmen, von den anderen Polizisten der monarchischen Ordnung ganz zu schweigen; seine Erhebungen von 1794, 1830, 1846, 1848 und von 1863 liessen es zum Symbol der gegen das alte Feudalsystem kämpfenden Demokratie werden. Als in Frankreich die Julirevolution ausbrach und die Russen zu intervenieren beschlossen, waren es die Polen, die sie praktisch daran hinderten, indem sie sich erhoben. Und als 1831 Minister Sebastiani in der französischen Kammer ausrief: »Ordnung herrscht in Warschau!«, war es in Wirklichkeit ganz Europa, das erneut von der russischen Knute terrorisiert wurde. Warschau war der neuralgische Punkt der herrschenden Ordnung, auf europäischer wie internationaler Ebene.

Zur Jahrhundertwende verschob die kapitalistische Entwicklung Russlands das revolutionäre Zentrum Osteuropas von Warschau nach Sankt Petersburg. Darüber hinaus wurde das wenig zahlreiche, aber äusserst kämpferische polnische Proletariat. hart geprüft durch die Unterdrückung der Revolution von 1905, an der es grossmütig teilgenommen hatte, während des ersten Weltkrieges leider von der Welle des kleinbürgerlichen Nationalismus überrumpelt. Das Proletariat ergriff die Macht in Petrograd im Oktober 1917, beendete den imperialistischen Krieg, erhob sich 1919 in Berlin. Im August 1920 befand sich die Rote Armee Tuchatschewskis unter den Mauern Warschaus nach einer brillant begonnenen Gegenoffensive gegen die vom französischen und englischen Imperialismus angespornte Aggression Pilsudskis. Einen Augenblick lang hoffte man, der Revolution in Deutschland zu Hilfe kommen zu können. Doch der Aufstand in Warschau fand nicht statt: hier verpasste das Proletariat seinen Termin mit der Geschichte.

Die Alliierten ermunterten den polnischen Nationalismus bestimmt nicht wegen der schönen Augen Polens. Die französische Bourgeoisie z.B.: sie schien in Polen am heftigsten verliebt zu sein, aber in Wirklichkeit hat sie es immer nur verraten, sogar in ihrer revolutionären Jugend. Die Jakobinerdiktatur hat den Heldenmut Kosciuszkos nicht beachtet. Napoleon hatte wohl die Wichtigkeit Polens für den Krieg gegen Russland begriffen und liess sich seine Unterstützung der polnischen Sache mit Strömen von Blut teuer bezahlen, um sie dann in Tilsit und Erfurt zu verraten. Unter Louis-Philippe begeisterte sich die Bourgeoisie für Polen, aber selbst ein Gemässigter wie Laffitte verlor seinen Ministerposten wegen seiner interventionistischen Neigungen. Die 48er Bourgeoisie warf Blanqui ins Gefängnis, weil er die Fahne Polens hochhielt. Und was Napoleon III. angeht, so liess er im Senat über Petitionen für Polen abstimmen, aber die Russen und die Preussen hatten die Hände frei für ihr schmutziges Geschäft.

Wenn also der General Weygand und der Oberst De Gaulle mit der Waffe in der Hand in Warschau waren, dann bestimmt nicht aus Liebe für die Unabhängigkeit Polens. Die polnische Bourgeoisie selbst hatte übrigens auch nur noch eine wenig revolutionäre Vorstellung davon: in Posen und vor allem in Galizien hatte sie sich ihr Nest in den bestehenden Staaten gebaut und dachte immer weniger daran; im Königreich Polen hatte sie sich, wie wir vom Führer der nationalen Demokratie, Dmowskis, erfahren können, darauf beschränkt, von der zaristischen Regierung die Autonomie des Königreichs zu erbitten; als Gegenleistung würde sie selbst die Revolution in Polen ersticken.

Der Krieg und der Zusammenbruch der Mittelmächte und des Zarismus riefen indessen eine soziale Bewegung hervor, die der kleinbürgerliche Nationalismus eines Pilsudski geschickt zu kanalisieren wusste. Die siegreichen Imperialisten stützten sich auf die alten nationalen Gelüste der polnischen herrschenden Klassen und deren Forderungen nach der Ukraine und Litauen sowie auf den hundertfach berechtigten Hass der polnischen Arbeiter und Bauern gegen die grossrussischen Unterdrücker und die Zaren. Sie stellten die Bolschewiki als Chauvinisten dar, die davon träumten, Polen zu erobern, und machten so aus der Unabhängigkeit Polens eine Waffe gegen die proletarische Revolution. Kann die Verspätung des polnischen Proletariats als Symbol für die kollektive revolutionäre Verspätung West- und Mitteleuropas betrachtet werden, die dazu führte, dass das proletarische Russland allein blieb, so bedeutete die Niederlage der Roten Armee unter den Mauern von Warschau das Ende des Vormarsches der grossen internationalen revolutionären Welle, welche durch den ersten Weltkrieg verursacht worden war. Warschau erwies sich hier auch als ein neuralgischer Punkt, aber dieses Mal für die proletarische Revolution.

Im 19. Jahrhundert hatte zwar die Wiederherstellung Polens eine mächtige revolutionäre Bedeutung für die Zerstörung der europäischen Feudalordnung, aber die Möglichkeit, ein kleines Land zwischen den mächtigen deutschen und russischen Nachbarn am Leben zu erhalten, konnte nur von kurzer Dauer sein. Im übrigen hat ein unabhängiger Nationalstaat erst dank der militärischen Niederlage Deutschlands 1918 und des Zusammenbruchs des Zarismus unter den Schlägen der bolschewistischen Revolution das Licht der Welt erblicken können. Aber was war das für ein »Nationalstaat«: ein Staat, der in seinen Grenzen nationale Minderheiten als Geiseln hielt, Ukrainer, Weissrussen, Deutsche, Juden usw., welche mehr als 30 % der Gesamtbevölkerung ausmachten! Und was für eine »Unabhängigkeit«, die auf der Verschmelzung des kleinbürgerlichen Nationalismus und des polnischen Militarismus beruhte, dazu verurteilt, sich in den Dienst Londons und Paris zu stellen und nur mit ihrem Segen bestehen zu können. Eine siegreiche Revolution auf gesamteuropäischer Ebene in den zwanziger Jahren hätte das nationale Problem Polens radikal gelöst, indem sie durch die Vernichtung der kapitalistischen Klasse und der Grundbesitzer in der ganzen Region die imperialistischen Gegensätze zwischen Deutschland und Russland sowie die polnischen imperialistischen Gelüste aus der Welt geschaffen hätte. Aber die Revolution wurde geschlagen. Schlimmer noch, der proletarische Staat Russlands konnte sich in seiner tragischen Isolierung nicht halten. Er wurde schliesslich besiegt und von den Kräften erobert, die an die kapitalistische Entwicklung in Russland gebunden waren, und hinter den Falten und glitzernden Fransen des lügnerischen Banners vom »Sozialismus in einem Lande« machte sich der Stalinismus zum Werkzeug der Verwandlung dieses Staates in einen »normalen bürgerlichen Staat«, wie es der emigrierte russische Bourgeois Ustrialow selbst ausdrückte.

Seitdem diese Wende 1926 vollzogen und die Internationale in ein einfaches diplomatisches Instrument des wiederentstehenden grossrussischen Imperialismus verwandelt war, von dem Moment an, wo der Weg der proletarischen Revolution versperrt war, stieg die Perspektive eines neuen imperialistischen Konfliktes in einer nahen Zukunft auf, vor allem nach dem Ausbruch der Wirtschaftskrise der Dreissiger Jahre, und Polen musste ein Lustobjekt für die deutsche und grossrussische Raubgier sein, zum Nachteil der englischen, französischen und amerikanischen Räuber. Einem wilden internationalen Druck unterworfen und in den Fängen einer schrecklichen Wirtschaftskrise, trieb das bürgerliche Polen nach und nach Pilsudski zur Militärdiktatur nach dem Staatsstreich von 1926, der übrigens mit der Unterstützung der Sozialisten und Kommunisten stattfand! Die Versprechungen einer Agrarreform wurden nur zu einem winzig kleinen Teil gehalten, dafür liessen die der Arbeiterklasse abverlangten Opfer nicht auf sich warten. Und man lavierte zwischen Russland und Deutschland mit Nichtangriffspakten in allen Richtungen, was nicht daran hindern sollte, von der Zergliederung der Tschechoslowakei durch Hitler zu profitieren, um sich am 30. September 1938 des Teschener Schlesien zu bemächtigen. Es gibt eben keine kleinen Profite...

Natürlich hielt die Liebe der westlichen Demokratien zu Polen dem deutsch-sowjetischen Pakt und der Teilung des Landes zwischen Berlin und Moskau im September 1939 nicht stand. All ihrer Implikationen wegen gab die Invasion Polens am 1. September wohl das Zeichen für einen allgemeinen Weltkonflikt, aber die Franzosen und Engländer unternahmen nichts, um den militärischen Druck Deutschlands auf Polen zu vermindern, das nach einem Monat Widerstand zusammenbrach. Dass die russische Intervention in Polen vom 17. September zum Ziel gehabt hätte, »die Ukrainer und die Weissrussen zu schützen«, ist Teil der gewöhnlichen diplomatischen Lügen. Die Stalinisten, die nach dem Bruch des deutsch-sowjetischen Paktes 1941 eine Mythologie antideutschen Widerstandes aus dem Boden stampften, erfreuten sich ruhig der Früchte der Eroberung und arbeiteten aktiv mit ihren Nazipartnern bei der systematischen Unterwerfung des Landes zusammen.

Im März 1940 trafen Beamte der Gestapo eine Delegation des NKWD, um einen gemeinsamen Unterdrückungsplan für die geheimen polnischen Organisationen aufzustellen. Die Folgen dieser Kollaboration verwirklichten sich auf deutscher Seite in der bestialischen antisemitischen Kampagne, die mit der Zerstörung des Warschauer Ghettos im Mai 1943 und der Vernichtung von 300.000 seiner Bewohner ihren Höhepunkt fand, aber auch auf russischer Seite mit der Verschleppung und dem Verschwinden von Hunderttausenden und insbesondere mit dem Massaker von Katyn, wo Tausende von mumifizierten Kadavern entdeckt wurden: polnische Offiziere mit einer Kugel im Genick.

Diese Kollaboration beschränkte sich indessen nicht darauf, dass sich jeder in seiner Besatzungszone seiner inneren Gegner entledigte: des Judentums auf deutscher Seite und des polnischen militaristischen Nationalismus auf russischer Seite. 1944 mussten die ehemaligen Verbündeten trotz des Kriegszustandes zwischen ihnen über die Front hinweg eine gemeinsame Polizeioperation gegen die Warschauer Kommune durchführen, die sich gegen die deutschen Besatzer erhoben hatte. So wurde die französisch-deutsche Allianz gegen die Pariser Kommune von 1871 erneuert. Als eine der Kolonnen Rokossowskis in Sichtweite Warschaus war und die Alliierten unterdessen ihren Brückenkopf in der Normandie erweiterten, erhob sich am 1. August um 17 Uhr die Bevölkerung Warschaus. Der Aufstand sei in London von der Regierung Mikolajczyk entschieden worden, behauptet die offizielle Geschichtsschreibung, die westliche, um sich dessen zu rühmen, und die stalinistische, um ihn zu verdammen. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Als die Deutschen die Massenaushebung der Bevölkerung angeordnet hatten, um die Vororte der Stadt zu verstärken, und sich angesichts der vollkommenen Weigerung der Bevölkerung bedrohliche Repressalien ankündigten, musste man, um der Arbeiterklasse die Initiative des Kampfes nicht zu überlassen, wohl versuchen, ihren unvermeidlichen Aufstand unter die Kontrolle durch die innere Armee Bor-Komorowskis zu bringen, und deshalb das Aufstandsdatum bestimmen. Bor verfügte nicht einmal über Karabiner, geschweige denn über Maschinenpistolen für alle seine Leute, und die Arbeiterbevölkerung war anfangs nur mit Brandflaschen, Handgranaten und Revolvern bewaffnet. Sie trat dennoch gegen die motorisierten und gepanzerten Truppen der Wehrmacht an und entriss ihr nach acht Tagen des Kampfes das Zentrum, den Osten und den Süden der Stadt.

Unter dem Kanonendonner der Panther- und Tigerpanzer, während der systematischen Brandschatzung ganzer Stadtteile und den Massakern an der Bevölkerung wartete man auf die Ankunft der Russen. Letztere kampierten jedoch auf dem rechten Ufer der Weichsel, und während BBC neueste Nachrichten vom Aufstand sendete, schwieg Radio Moskau. Erst am 4. gab die stalinistische KP die Anweisung an ihre Mitglieder, sich der Revolte anzuschliessen, natürlich unter dem Befehl von General Bor! Trotz all dem Drängen Churchills, Warschau zu erobern, weigerte sich Stalin trocken, getreu dem Prinzip, dass nur ein toter Feind ein guter Feind ist. Er überlässt den Nazis die Aufgabe, die Aufständischen niederzumetzeln. Als die Kommune am 17. August in den letzten Zügen liegt, beginnen die Deutschen eine höllische Offensive und werfen 70.000 Mann gegen die von den Arbeitern, ihren Frauen und Kindern verteidigten Stadtteile. Man wartet immer noch auf die russischen Truppen. Umsonst! Sie kamen erst drei Monate nach dem Massaker... Am 3. Oktober, nach 63 Tagen heldenhaften Kampfes, ergaben sich die letzten Verteidiger der Kommune. In den zerstörten Stadtteilen wurden mindestens 15.000 Tote gezählt. Was von der Stadt übrig blieb, wurde dem Erdboden gleichgemacht, und die überlebenden Einwohner wurden verschleppt.

Die Weigerung Moskaus, den Aufständischen zu helfen, lässt sich oberflächlich mit dem Ziel erklären, sich der mit der Regierung in London verbundenen politischen Kräfte zu entledigen, um Platz für die prosowjetische Regierung von Lublin zu schaffen. Indessen ist es klar, dass die militärische Besetzung des Landes Stalin schon die Kontrolle dieser Kräfte garantierte. Im übrigen war Churchills Unterstützung für die Erhebung, im Gegensatz zu den Ereignissen in Jugoslawien, rein moralischer Natur. Abgesehen von einigen Fallschirmabwürfen mit Nahrung, Medikamenten und Waffen, wozu er sich die Erlaubnis Stalins geholt hatte, gab er sich damit zufrieden, Moskau offiziell zur Intervention zu bitten, handelte es sich doch um eine Zone, die Moskau als militärisches Jagdrevier zustand kraft der Verträge von Teheran, wo die neuen Grenzen Polens schon festgelegt worden waren.

...In der Tat durfte Stalin sich die Hände am Blut der Arbeiterkommune von Warschau nicht beflecken, wenn er noch etwas Ansehen beim internationalen Proletariat behalten wollte, selbst auf die Gefahr hin, dass er es in den Augen der polnischen Proletarier verlor. Aber irgendjemand musste die Kommune niederzwingen, und so fiel diese Aufgabe Hitler zu.

Hatte im vorigen Jahrhundert die polnische Bourgeoisie in vorderster Front gegenüber der herrschenden Ordnung gestanden, so erbrachte die Warschauer Kommune den Beweis, dass nunmehr infolge derselben Lage, wenn auch unter anderen Bedingungen, die polnische Arbeiterklasse diese Rolle gegenüber dem imperialistischen Status quo übernommen hatte.

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Polen war immer der Schlüssel für den Weg zwischen Westen und Osten. Während des langsamen Heranwachsens der europäischen Nationen stellte schon die alleinige Existenz Polens es in Gegensatz zum Drang nach Osten des Preussentums, machte aus ihm eine Bastion der europäischen Zivilisation gegen die zaristische Barbarei und aus seiner Bourgeoisie einen Vasallen der westlichen Bourgeoisien. Das 1917-1923 wiedererrichtete Polen diente als Riegel gegen den Vormarsch der revolutionären Roten Armee in Richtung Deutschlands. Das bürgerliche Polen verhielt sich weiter als Bastion Europas gegenüber dem Osten, aber diesmal des imperialistischen und konterrevolutionären Europas gegenüber dem revolutionären Osten. Als dann der proletarische Staat Russlands dem nationalen, kapitalistischen und imperialistischen grossrussischen Staat weichen musste und der europäische Krieg erneut unausweichlich geworden war, konnte ein polnischer Staat, der Anhängsel der westlichen Demokratien war, zwischen dem deutschen und dem russischen Koloss nicht überleben. Um Ruhe zu haben, mussten die beiden Räuber diese isolierte Bastion der westlichen Imperialismen sprengen, bzw. ihr Zusammenstoss konnte sie nur in die Luft jagen. Der Zusammenbruch der Achsenmächte hat diese Lage nicht verändert, sondern nur mit den Verträgen von Yalta für ganz Europa verallgemeinert.

Nicht Polen wurde geteilt im Gefolge der konterrevolutionären Aktion, die die Armeen Roosevelts und Stalins auf dem Körper Europas durchexerzierten, sondern der deutsche Riese selbst, und mit ihm ganz Europa. Die Einheit Polens existiert, aber Polen ist geknechtet. Damit es dieser Knechtschaft entkommen könnte, müsste Europa die Kraft finden, sich einen Platz zwischen den beiden imperialistischen Supermächten von Moskau und Washington zu schaffen. Das wäre aber nur möglich, wenn diese Kraft auf dem Rücken Afrikas und des Mittleren Ostens durch eine Art europäischen Pilsudskismus erobert würde, der genauso ohnmächtig wäre wie der polnische National-Militarismus der Zwischenkriegszeit und noch weit konterrevolutionärer und antiproletarischer als dieser!

Aber der Staat, der aus den Verträgen von Yalta durch ein brutales »Gleiten« nach Westen (Wilno, Brest und Lwow wurden der UdSSR überlassen, während Schlesien, Ostpommern und das südliche Ostpreussen polnisch wurden) und der damit einhergehenden viehischen Verdrängung von Millionen von Menschen entstanden ist, dieser Staat behält in dem »polnisierten« Europa der Gegenwart eine immense strategische Rolle. Als bevölkerungsreichster Staat des westlichen Glacis der UdSSR ist er ein Haupttrumpf des russischen Imperialismus bei dessen Rüstungswettlauf mit Amerika und dem Wettrennen um die Weltherrschaft. Seine Ebenen bleiben nach wie vor das Durchmarschgebiet der russischen Panzer nach Westeuropa. Deshalb wird Polen vom grossen »russischen Bruder« systematisch an der Kandare gehalten und zugleich von den westlichen Imperialisten umworben, auch wenn letztere es in Yalta seinem düsteren Schicksal überlassen haben.

Die westliche Propaganda überschlägt sich fast, wenn es darum geht, den »Prager Staatsstreich« und die vollkommene Unterwerfung der östlichen Länder unter den russischen Willen zu brandmarken. Aber wer hat denn Mikolajczyk, den Führer der Londoner Exilregierung, der die Bauern, die Mittelschichten, die ehemaligen Widerstandskämpfer und die Kirche hinter sich hatte, dazu gebracht, sich mit der moskauhörigen Regierung von Lublin zu vereinigen, was alle Parteien - Bauernpartei sowie Demokraten und Sozialisten - dazu führte, in einer Regierung mitzuarbeiten, in der die Stalinisten 14 von 24 Mitgliedern stellten, wer, wenn nicht gerade der englische und amerikanische Imperialismus? Das Ergebnis des »Prager Staatsstreiches« war lediglich, all diese Parteien zu einer einzigen zu vereinen. Die westlichen Imperialismen wussten nämlich nur zu gut aus der Erfahrung der Zwischenkriegszeit und des Sommers 1944, dass einzig eine Diktatur, und werde sie auch vom den Russen ausgeübt, einen schwachen Staat wie Polen vor den starken zentrifugalen Tendenzen bewahren und vor den Vorstössen einer lebhaften Arbeiterklasse schützen kann.

Die westlichen Imperialismen unterhalten einen ganzen Chor von offiziellen Klageweibern, um über die Verfolgungen zu jammern, die die Gegner der prosowjetischen Regierungen in den östlichen Ländern im allgemeinen und in Polen im besonderen traf, wo diese Opposition ihren Ausdruck in der Kirche fand, vor allem seit der Verhaftung von Kardinal Wyszynski 1953. Diese Rolle der Kirche wird von offensichtlichen politischen und sozialen Ursachen hervorgerufen. Nach der Vernichtung des polnischen Militarismus durch die Unterordnung der Armee unter russische Generäle, Rokossowski an der Spitze, und nach der Beseitigung der politischen Parteien war sie die einzige Institution mit einem grossen gesellschaftlichen Einfluss (wegen des noch grossen Gewichtes der Bauernschaft) und deshalb konnte sie dem polnischen Nationalismus als Organisationspol dienen. Aber die »freie Welt« wohnte den russischen Interventionen in Berlin 1953, Budapest 1956 und Prag 1968 bei, ohne den kleinen Finger zu rühren, ohne den schönen Worten über die »Menschenrechte« Taten folgen zu lassen. Im Westen wie im Osten verneigt sich nämlich die Ideologie vor der immer noch gültigen Teilung der Welt, doch die westlichen Imperialismen betreiben deshalb nicht weniger ihre übliche Propaganda. Wenn es notwendig werden sollte, d.h. wenn die in Yalta entstandene imperialistische Weltordnung hinfällig werden wird, hoffen sie auf diese Art, vom neuem den Anlauf des bürgerlichen Polens in Richtung auf die Unabhängigkeit und die Freiheit für ihre zynischen strategischen Gelüste benützen zu können.

Die »guten Seelen« des Westens und der Demokratie bemitleiden häufig die Arbeiterklasse der östlichen Länder und vor allem Polens, weil sie die »sozialistische Umwandlung der Gesellschaft« erdulden musste.

Ein Teil des schrecklichen Elends der polnischen Arbeiter würde insbesondere von der »Vergesellschaftung der Landwirtschaft« herrühren. In Wirklichkeit machten die Russen in den besetzten Gebieten eine Agrarreform, mit der sie sich die Sympathie der Bauern erkaufen wollten, indem sie ihnen den Boden überliessen: Polen wurde zum Vorbild für den zwergenhaften Familienbetrieb. Als man 1948 die Landwirtschaft modernisieren wollte, um die Städte versorgen zu können, benutzte man die Methode der Kooperativen und der Zwangskollektivierung, was die Bauernschaft, der man soeben die ihr so teuren Landstückchen gegeben hatte, gegen das Regime aufbrachte. Die wirtschaftliche Katastrophe, die folgte, zwang den Staat dazu, zum kleinen Landwirtschaftsbetrieb zurückzukehren: 80% der Oberfläche gehören heute Privateigentümern, 61% der Betriebe haben weniger als 5 ha, der Grossteil der Bauern sind Leute, die älter als 55 sind, weil die Jungen der Verblödung auf dem Familienacker die Industriezuchthäuser noch vorziehen. Das läuft darauf hinaus, die Landwirtschaft in eine Art vom Randtätigkeit bzw. von Ruhestandstätigkeit für alte Arbeiter zu verwandeln, und erklärt weitgehend die schwache Produktivität und den vollkommenen Bankrott der polnischen Landwirtschaft; diese Erscheinungen kann die administrative Kontrolle des Staates nicht eindämmen, sie kann sie im Gegenteil durch ihre tagtäglichen Schikanen und Scherereien nur verschlimmern. Das alles hat offensichtlich nichts mit Sozialismus zu tun. Dieser wird ja mithilfe technischer und ökonomischer Vorteile, durch die Erziehung und durch das Beispiel einer produktiveren Arbeit und menschlicherer Arbeits- und Lebensbedingungen die Bauern zunehmend in die vergesellschaftete Landwirtschaft einbeziehen und damit den Übergang zur Grossproduktion verwirklichen. Die Unterordnung der polnischen Industrie unter die Marktgesetze erlaubte auf keinen Fall, sich solche Ziele zu setzen.

In der Tat sprach auch noch niemand von »Sozialismus«, als mit dem Gesetz vom Januar 1946 alle deutschen Unternehmen in Polen und alle Unternehmen mit mehr als 50 Arbeitern verstaatlicht wurden. Damit wurde eine faktisch schon existierende Stellung legalisiert, denn man übertrug an den Staat das Eigentum an Betrieben, in deren Besitz er sich plötzlich befunden hatte, weil ihre Eigentümer geflohen waren. Aber das ganze Unglück Polens hätte, wie oft behauptet, an dem Tag begonnen, als die UdSSR den Eisernen Vorhand über ihre Einflusszone fallen liess. Sie hatte diese Einflusszone mit Waffengewalt erobert und wollte nun dem amerikanischen Vorhaben entgegentreten, sie mit den Dollars des Marshallplanes an sich zu binden. In der Praxis wurden die polnischen Proletarier durch ein System der bürokratischen Betriebskontrolle zum Arbeiten gebracht, das sie angeblich davor bewahrte, den Rücken krumm zu machen für die Rückzahlung der Schulden an die westlichen Bankiers, und das ebenfalls die Arbeiterkämpfe verhindern sollte.

Sicherlich erwies sich die aus dem stalinistischen Russland importierte zentrale und bürokratische Festsetzung von Produktionszielen als notwendig für den Wiederaufbau der ökonomischen Infrastruktur des Landes, während sie gleichzeitig den imperialistischen Ausplünderungsgelüsten des russischen »grossen Bruders« entsprach. Von dem Moment an jedoch, wo die Betriebe auf dem Weltmarkt mit der Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und »Initiative« antreten mussten, die die kapitalistische Anarchie nun mal verlangt, musste sie ein Hindernis für die Produktivität und folglich als ein blosser Ausdruck der sowjetischen Herrschaft empfunden werden.

Man gestand der Arbeiterklasse einen Haufen von »Garantien« zu, um ihre kämpferische Glut zu kühlen, insbesondere die Verbeamtung der Lohnabhängigen, welche mit der Abschaffung der Lohnarbeit, die den Sozialismus kennzeichnet, ebensowenig zu tun hat wie der Staat als Arbeitgeber mit der Zentralisierung des gesellschaftlichen Reichtums in einer sozialistischen Gesellschaft, in der der Staat als Klassenstaat mit seiner Polizei, seiner Armee und seinen Gefängnissen verschwunden sein wird. Der aufgebaute administrative Mechanismus hatte eine mangelnde Flexibilität des Produktionsapparates zur Folge und lieferte nur schwache Anreize zur Entwicklung der Produktivität. Um dies zu kompensieren, kannte die durch die Lage der kapitalistischen Welt und die imperialistische Teilung nach Yalta strikt bestimmte soziale und ökonomische Politik lediglich einen Ausweg: einen ebenso unerträglichen wie unwirksamen Produktivismus, dessen Preis ein unerhörter Druck auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitermassen war.

Im Laufe der Aufbauperiode konnte die wenig konkurrenzfähige polnische Wirtschaft von der Ausrichtung auf den russischen Markt trotz allem profitieren. Die geringe Integration des Ostblocks in den Weltmarkt bildete einen Schutz für den Absatz polnischer Industriewaren, wenn auch keine Anregung zur Produktivitätserhöhung. Die unter diesen Bedingungen mächtig gewachsene polnische Industrie, die sich im übrigen auf die Einverleibung des Ostseeküstenstreifens und Schlesiens stützen konnte, sah sich mit zunehmender Entwicklung im Einklang mit den Gesetzen der kapitalistischen Produktion spontan vom fortgeschritteneren Westen mit seinen Kapitalressourcen und seinem Warenangebot angezogen. Die Öffnung des Ostblocks für die westlichen Waren und Kapitalien gestattete einen mächtigen Aufschwung der polnischen Industrie, hatte aber zugleich die zwangsläufige Folge, dass die Wirtschaftsstruktur des Landes für alle Krisen und Erschütterungen noch anfälliger wurde. Dabei konnte der Versuch der Sowjetunion, durch eine Verstärkung des COMECON und der pseudo-»sozialistischen Teilung der Arbeit«die Öffnung des Ostblocks zu kompensieren und eine grössere Ausrichtung der polnischen Wirtschaft auf das russische Zentrum herbeizuführen, lediglich das Ergebnis haben, dass das Land unter einem vermehrten wirtschaftlichen und politischen Druck von russischer Seite leidet, wodurch es ökonomisch noch mehr auf den Westen angewiesen wird. Kurzum, es wird zwischen den zwei Blöcken regelrecht zerrieben. Polen ist heute das Land, das am meisten vom Westen abhängt in Hinsicht auf seine Ernährung und seinen Maschinenpark, das aber zugleich den ungleichgewichtigsten Handel mit ihm hat, weil es kaum konkurrenzfähig ist und auch sehr schnell die Grenzen seiner Exportfähigkeit erreicht. Das Ergebnis dieser Lage ist, dass die Eroberung der östlichen Länder durch den Dollar, die 1948 durch den »Prager Staatsstreich« verhindert worden war, inzwischen zumindest in Polen verwirklicht wurde, das im Verhältnis zu seinen Exporten oder seiner Jahresproduktion das am meisten verschuldete Industrieland der Welt ist. Die Arbeiterklasse muss also die doppelte Last des ökonomischen Mechanismus tragen, der sie angeblich von der für die Zahlung der Schulden an die Bankiers notwendigen Arbeit entbinden sollte, erhöht von nun an vom Gewicht dieser Verschuldung! Vom nationalen Kapital hart ausgebeutet und eine breite Schicht selbständiger oder vom Staat bezahlter parasitärer Bourgeois mästend, muss sie auch noch den Rücken krumm machen für die Zahlung des Zehnten an den russischen »grossen Bruder« und des Zinses an die amerikanischen, deutschen, französischen, englischen und anderen Bankiers...

Diese originelle wirtschaftliche Lage erklärt, warum trotz der Märchen über die Verstaatlichung und die Planung, die es erlauben sollten, die kapitalistische Anarchie zu überwinden, höhere industrielle Wachstumsrhythmen zu erzielen und die Krisen zu vermeiden, Polen das industrialisierte Land ist, in dem die Weltwirtschaftskrise die unmittelbar katastrophalsten Auswirkungen gezeitigt hat. Das Land ist am Rande des Bankrotts, und sein Zusammenbruch würde das finanzielle Gleichgewicht des gesamten kapitalistischen Weltsystems bedrohen, dessen Aufrechterhaltung die Zusammenarbeit und die Solidarität aller Banken und aller Staaten im Osten wie im Westen erfordert.

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Die Tatsache, dass Polen eine der gefährlichsten Bruchstellen zwischen den imperialistischen Blöcken darstellt, führt zu einem politischen, militärischen und sozialen Druck auf die Arbeiterklasse. Zusammen mit der äusserst widersprüchlichen und explosiven Wirtschaftslage liefert dieser Druck die Erklärung dafür, dass das Land seit dem Krieg diese eindrucksvolle Reihe von Arbeiterrevolten hervorgebracht hat, die man anderswo in der gleichen Periode nicht beobachten konnte.

Am 28. Juli 1956 entwickelte sich eine Demonstration der Metallarbeiter zum Aufruhr, die sich schon seit Ende 1955 nach der Erhöhung der Produktionsnormen und der damit einhergehenden Lohnsenkung in Wallung befanden. Das Szenario des Streiks der Bauarbeiter in Berlin 1953 wiederholt sich: die Panzer intervenieren, gefolgt von der Inneren Sicherheit (KBW) und der Zivilen Miliz. Nachdem am folgenden Tag die Truppen die letzten Widerstandsnester gesäubert haben, kann man 54 Tote und 300 Verletzte zählen.

Diese Rebellion gab das Zeichen für die Bewegung in ganz Osteuropa und zeigte die Grenzen der Scheinliberalisierung Chrustschows, die mit grossem Pomp auf dem XX. Kongress der KPdSU angekündigt worden war. Im Oktober erhob sich Budapest gegen die russischen Truppen. In Polen verständigten sich die Regierung und der »grosse Bruder« darauf, Ballast abzuwerfen. Gomulka war soeben freigelassen und rehabilitiert worden, befreit von der Anschuldigung des Titoismus, wegen der er durch Bierut ersetzt worden war; 30.000 Gefangene waren schon in den Genuss einer Amnestie gekommen, die Nationalversammlung begann erneut zu tagen und eine gewisse Pressetätigkeit entfaltete sich. Nach den Unruhen ging das »Tauwetter« noch weiter. Die Ernte des polnischen Oktober war äusserst fruchtbar. Gomulka versicherte, dass Polen »seine Bündnisse respektieren würde«; Rokossowski und seine dreissig russischen Generäle, die die polnische Armee bis dahin beaufsichtigt hatten, stiegen in den nächsten Zug nach Moskau. Polen hörte auf, Russland Kohle zu einem Preis unter Weltmarktniveau zu liefern. Die Kollektivierung der Landwirtschaft wurde abgebrochen. Kardinal Wyszynski wurde freigelassen und seine Bischöfe rehabilitiert.

Der russische Imperialismus zögerte also nicht, den nationalen Bestrebungen der polnischen Bourgeoisie entgegenzukommen, damit er umso besser der Gefahr des Arbeiterpolens entgegentreten konnte. Parallel dazu musste der auf diese Art über die nationalen Gegensätze hinweg geschmiedete soziale Block gewisse wirtschaftliche Konzessionen an die Arbeiterklasse machen und die berühmten Arbeiterräte akzeptieren, die aus dem Bedürfnis entstanden waren, den Kampf ausserhalb vom offiziellen Apparat zu organisieren, die aber im Laufe ihrer Entwicklung sich von der Bindung an die Betriebsleitungen nicht lösen konnten. Auf diese Schwäche stützte sich der Staat und lockte die Arbeiter in die Falle. Er vernichtete nach und nach mit dem Rückfluss der Bewegung jede Kampffähigkeit der Räte, indem er sie den offiziellen Strukturen unterordnete. Und während in den anderen Ländern des Ostens sämtliche Autonomiebestrebungen von Moskau hartnäckig bekämpft wurden, zwangen die riesigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten sowie die geschichtliche Erfahrung Moskau und die polnisch-nationale Opposition zu einem minimalen Konsens. Das äusserte sich in den 60er Jahren mit den Anstrengungen der Kirche, einen wachsenden Spielraum zu erobern und gleichzeitig ihre Nützlichkeit für den Erhalt des sozialen Friedens unter Beweis zu stellen.

In den 60er Jahren brachte die studentische Unruhe eine Protestströmung hervor, die sich auf die »antibürokratische Revolution« in Form einer Rätedemokratie in den Betrieben und im Staat, des Pluralismus und der gewerkschaftlichen Unabhängigkeit berief. Diese an die demokratischen und sozialdemokratischen Traditionen anknüpfende Strömung und insbesondere einige ihrer Führer wie Kuron und Modzelewski wurden scharf unterdrückt. Parallel dazu gewann der Einfluss der Strömung von General Moczar, ein prosowjetischer und antisemitischer Militarist, der aus der Partisanenbewegung kommt, immer grössere Bedeutung, bis sie Gomulkas Stellung im Frühjahr 1968 bedrohte, gerade in dem Augenblick, wo die studentische Unruhe, angespornt durch den »Prager Frühling«, anschwoll.

Während die Arbeiterklasse zur Zeit der Unruhe der Studenten und der Mittelklassen und der Unterdrückung dieser Bewegung keine Reaktion zu zeigen schien, flackerten am 15. Dezember 1970 in den Werften von Gdansk, und dann in denen von Gdynia und Eblog spontane Demonstrationen auf als Reaktion auf die brutale Erhöhung der Preise für die wichtigsten Waren des täglichen Bedarfs. Angesichts der Weigerung der Regierung, auch die geringste positive Antwort zu geben, griffen die Arbeiter die Miliz an, steckten die Parteisitze in Brand, plünderten die Geschäfte usw. Gomulka liess die Armee eingreifen. Am Abend des 15. Dezember waren die Küstenstädte von Panzern eingekreist und besetzt. Es gab bereits zahlreiche Verwundete und Tote. Zwei Tage darauf begann der Aufruhr erneut in Gdynia und hinterliess nach offiziellen Angaben 27 Tote. Dennoch dehnten sich die Unruhen auf Sopot und Szczecin aus, wo die Arbeiter ein Streikkomitee bildeten, das sich die Organisierung des Kampfes zum Ziel setzte, aber dieses Mal ohne die Selbstverwaltungsillusionen der Räte von 1956 wiederaufzunehmen - eine Erfahrung hatte gereicht! In Szczecin wurden 117 Verwundete und 14 Tote gezählt, aber es soll dort mehr als 100 gegeben haben. Am 17. und 18. Dezember begannen Unterstützungsdemonstrationen in anderen Städten, in Katowice, Poznan und Warschau.

Gomulka, der 1948 der »nationalen Abweichung« beschuldigt worden war, Gomulka, der »Liberale« von 1956, der »rote Pilsudski« der folgenden Jahre, er zog die Russen in eine »Befriedungsaktion« hinein, zu der sie es, und das muss man betonen, nicht sonderlich eilig hatten. Das war nicht die richtige Politik. Er wurde durch Gierek ersetzt, der zuerst einmal ein paar Konzessionen machte, um ein Abschwellen der Bewegung zu ermöglichen.

Dank russischer Hilfe machte man die Preiserhöhungen, die der Grund für den Aufruhr gewesen waren, wieder rückgängig. Man versprach Wirtschaftsreformen und begann den Dialog mit den Fachleuten, um die Wirtschaft zu verbessern. Und um den Dialog konstruktiv zu machen, erweiterte man das Tätigkeitsfeld für die Kirche, während die Leute Moczars weitgehend beiseite gestellt wurden, damit sie den »technokratischen Frühling« nicht behindern konnten, nachdem sie dazu gedient hatten, sich Gomulkas zu entledigen. Indessen erwies sich das alles als ziemlich ungenügend für die Überwindung der wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten: als Gierek nämlich Gomulkas Preiserhöhungsoperation wiederholen wollte, sah er sich im Juni 1976 mit den Streiks von Ursus und Radom konfrontiert wie sein Vorgänger mit den Unruhen von Gdansk im Dezember 1970.

Diese Situation beschleunigte noch den sechs Jahre vorher angefangenen Prozess: »russische Hilfe« und wachsende Verschuldung bei den westlichen Banken, um die undurchführbaren Preiserhöhungen auszugleichen, und natürlich ein noch grösserer Spielraum für die Kirche, die zum geheiligten Stützpfeiler der sozialen Ordnung erklärt wurde. Gierek ging 1977 sogar nach Rom. Aber zur gleichen Zeit setzten diese Streiks und die darauffolgende Repression die Organisierung des Widerstandes der Arbeitern die Kontaktaufnahme zwischen den Kernen der kämpferischen Arbeiter und die Vorbereitung der kommenden Kämpfe auf die Tagesordnung, und zwar nicht nur für die Verbesserung der Arbeits- und Lebens-, sondern auch der Kampfbedingungen der Arbeiterklasse. So konnte die Losung des Streikkomitees von Szczecin 1970, die Forderung nach einer vom Parteiapparat unabhängigen Gewerkschaft, wieder aufgenommen werden und allgemeine Verbreitung finden.

Die Kirche fühlte, dass diese Bewegung nicht zu brechen war, und so verlangte sie öffentlich die vollkommene Amnestie der Demonstranten und im September 1976 gründete die Strömung der oppositionellen Intellektuellen von Kuron zur gleichen Zeit das KOR (Komitee zur Verteidigung der Arbeiter), das den Opfern der Repression seine Solidarität brachte und namentlich bei »eurokommunistischen« und linkssozialdemokratischen Kräften im Westen Unterstützung suchte. Diese Tätigkeit erleichterte die Verbindung der Arbeitergruppen auf Landesebene mit Hilfe der bestehenden Verbindungsnetze, insbesondere desjenigen der Kirche, aber sie erlaubte diesen Kräften auch, Sympathien zu finden, mit denen sie in der Folge versuchten, die wirtschaftlichen Forderungen der Arbeiterklasse mit den Erfordernissen der nationalen Wirtschaft und ihre Forderung nach Organisationsfreiheit mit einer »demokratischen Öffnung« des Staatsapparates zu verbinden.

Die von der Gierek-Regierung, von der Kirche und von der Opposition um Kuron befürchtete und vorausgesehene Explosion fand schliesslich statt. Die Erhöhung der Fleischpreise vom 1. Juli 1980 löste noch am gleichen Tag einen Streik in Ursus aus für die Erhöhung der Löhne und die 40-Stunden-Woche. Überall im Lande brachen Streiks aus, in Warschau, Lublin, Gdansk, Kielce, Poznan, deren Forderungen wohl oder übel erfüllt werden mussten. Das ermutigte die Arbeiter, noch weiter vorzupreschen. Aber in Gdansk schliesslich kristallisierte sich Mitte August ein Organisationspol der Bewegung mit einem überbetrieblichen Komitee (MKS), das den Kampf in der ganzen Stadt organisierte und die Gierek-Regierung dazu zwang, am 31. August in einem Lande am Rande des Generalstreiks die Organisationsrechte und die Erfüllung der vorgebrachten Forderungen zu versprechen. Mit diesem Erfolg jedoch hörte die Unruhe nicht auf, sondern verallgemeinerte sich im ganzen Land.

Dieser Streik ist nicht nur die grösste Bewegung der polnischen Arbeiter seit dem Krieg. Wegen seiner Tiefe und Ausdehnung und seiner Kampfstärke ist er die mächtigste Klassenbewegung der letzten Jahre in der ganzen Welt. Schnell gelangte der Weg, den die Kirche und die demokratische Opposition parallel zu den Arbeiterkämpfen durchliefen, an einen Wendepunkt. Diese Kräfte mussten sehr bald mit den Erfordernissen des Kampfes in Konflikt geraten, die Bewegung bremsen und sich immer öfter ihrem radikalen Flügel entgegenstellen. So mussten sie schon Ende August all ihr Gewicht in die Waagschale werfen, um den Generalstreik zu verhindern, als Gegenleistung zu den Versprechungen der Regierung. Die Kirche rief rundweg zum Abbruch des Streiks auf, und Walesa selbst - Bindeglied zwischen KOR und Kirche und rasant in den Vordergrund des Dramas katapultiert - verwandelte sich mit unglaublicher Geschwindigkeit in einen zu jedem Brandherd hineilenden Feuerwehrmann.

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Das Spiel dieser Kräfte des bürgerlichen Polens ist sehr erbaulich. Die »antibürokratische Revolution«, die in einem »offenen Brief an die PVAP« von Kuron und Modzelewski gefordert wurde, erweist sich nach 15 Jahren als das, was sie in Wirklichkeit war: eine banale demokratische Reform des Staates. All diese oppositionellen Kräfte, die an die Kirche oder die Demokratie und die internationale Sozialdemokratie gebunden sind, haben bewusst in der Lage in Polen eine Neuauflage der Demokratisierung in Spanien gesehen und gewollt, um die Reaktionen der Arbeiter einzudämmen und dank der von den Arbeitern freiwillig getragenen Opfern eine Wiederaufrichtung der polnischen Wirtschaft zu ermöglichen. Dazu mussten die Arbeiter den Eindruck haben, mit Hilfe von formal »freien« und vom Staatsapparat »unabhängigen« Organisationen »selbst zu entscheiden«, wobei die Rolle der Opposition darin bestehen sollte, diese Organisationen in der Achtung vor der nationalen Wirtschaft und dem sozialen Frieden zu führen. Kurz, da der »Gesellschaftsvertrag« von 1970 endgültig hinfällig war, brauchte man einen neuen!

Dass eine solche Reform bestimmten Teilen des Staatsapparates aufgezwungen werden musste und den Hebel eines sozialen Kampfes brauchte, um ins Werk gesetzt zu werden, ist offensichtlich, wie das die Zwischenfälle von Bydgoszcz beweisen, aber die Kräfte im bürgerlichen Polen, die in diese reformerische Richtung drängten, konnten sich auf die grossen Einflussmöglichkeiten stützen, über die die westlichen imperialistischen Staaten dank der 27-Mrd-Dollar-Schuld in Polen verfügen. Dass eine solche Reform die Organisierung der nationalistischen Kräfte in Polen begünstigt, ist eine Offensichtlichkeit, gegen die der russische Imperialismus zu kämpfen versuchte, indem er nicht nur gegen die Anerkennung der »freien Gewerkschaft«, sondern auch gegen die der »Landsolidarität« Widerstand leistete.

So ist es diesmal, im Unterschied zu 1956, nicht mehr die Regierung, die erklärte, dass Polen seinen Bündnissen treu bleiben würde, sondern die national-demokratische Opposition selbst: Kuron persönlich musste erklären, dass man aus der Lage nicht profitieren sollte, um den Status quo zu verändern! So hat das bürgerliche Polen jeden Romantismus verloren. Wir befinden uns nicht mehr im Jahre 1830, wo es noch voll und ganz alle notwendigen Opfer für den Sieg der europäischen Revolution akzeptierte. Wir befinden und auch nicht mehr in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, wo Churchill Sikorski und dann Mikolajczyk noch ihre unangemessenen nationalen Bestrebungen vorwarf. Heute ist das bürgerliche Polen ganz und gar realistisch geworden, sich voll und ganz der »geopolitischen Realitäten« und der »internationalen Kräfteverhältnisse« bewusst. Es wird sein eigenes antirussisches Banner erst erheben - Handschlag drauf -, wenn seine westlichen Herren es für ihre eigene Rechnung erheben. Bis dahin wartet es noch und gewinnt etwas Eigenständigkeit, indem es seine antiproletarische Rolle unter Beweis stellt. Der Vertrag, der ehedem dem Zarismus von der bürgerlichen Demokratie Dmowskis vorgeschlagen wurde und den der Zarismus ablehnte, besteht heute in der Praxis zwischen der kleinbürgerlichen und auf sozialistisch getrimmten Demokratie Kurons und dem kapitalistischen grossrussischen Imperialismus.

Indessen geht der soziale Block, der sich in Polen angesichts der proletarischen Gefahr gebildet hat, weit über Osteuropa hinaus. Für die westlichen Bankiers, die Polen vor kurzem nach Prüfung seines - in ihren Augen meisterhaften - Plans für die wirtschaftliche Gesundung eine achtjährige Umschuldung gewährt haben, ist es notwendiger denn je, dass »in Warschau Ordnung herrscht«. Und die amerikanischen Bankiers zögerten nicht zu sagen, dass ihnen im Falle eines Falles eine Intervention von Breschnews Truppen in Warschau nicht ungelegen käme. Andererseits sind die Russen gezwungen, ein grösseres Engagement der westlichen Imperialismen in Polen zu akzeptieren, da sie die einzigen sind, die mit ihrer »wirtschaftlichen Hilfe« eine noch grössere Arbeiterexplosion verhindern oder mindestens verzögern können. Und alle zusammen, Reagan wie Breschnew und all ihre Vasallen, fürchten vor allem anderen, in Polen eine Polizeioperation durchführen zu müssen; sie würde unvermeidlich einen Widerstand der Arbeiter hervorrufen, der ganz Ost- und Mitteleuropa aus dem Gleichgewicht bringen könnte, der der Arbeiterklasse der ganzen Welt die Augen öffnen könnte zu einem Zeitpunkt, wo die Lage des Kapitalismus sie unvermeidlich von neuem zum Kampf zwingt, und der ihr schliesslich ein klareres Bewusstsein der Bedingungen ihres Kampfes und ihres Sieges bringen könnte. Die gesamte internationale herrschende Ordnung unternimmt eine gigantische Anstrengung, um die internen Streitigkeiten zu überwinden, damit man der höheren Notwendigkeit der Erhaltung der sozialen Ordnung gerecht werden kann. Und das ganze bürgerliche Polen mit der ganzen Skala seiner politischen Schattierungen spürt die immense Verantwortung, die es gegenüber all seinen Herren hat: es stellt sich in die vorderste Reihe gegenüber seiner Arbeiterklasse, dieser Speerspitze des Weltproletariats.

Natürlich kann der so gebildete innere und internationale Block der kapitalistischen Ordnung durch die geringste Veränderung im Gewicht eines seiner vielen Teile in Frage gestellt werden. Aber welchen besseren Ausdruck konnte er finden als die Regierung Jaruzelskis, die im Februar 1981 gebildet wurde? Diese Regierung wird vom traurig- berühmten General Moczar unterstützt, der unbemerkt aus der Versenkung wieder auftauchte; sie wird von Breschnew zwar skeptisch betrachtet, aber auf jeden Fall akzeptiert, selbst wenn Moskau sie aus der Nähe überwacht; sie hat eine gute Rückendeckung durch die westlichen Banken und Regierungen; sie wird von Kardinal Wyszinski und dessen Nachfolger voll unterstützt und von der national-demokratischen Opposition um Kuron nolens volens befürwortet; und Walesa stellt sie dar als Garant der Durchführung der Vereinbarungen von Gdansk gegen die »Falken«!

Eine Militärdiktatur im Stile Pilsudskis, weil sie die Unterstützung der Organisationen hat, die vorgeben, die Arbeiter zu vertreten, aber weit vollständiger, weil sie noch die Unterstützung der Russen und der Westlichen hat; eine Diktatur im Stile Gomulkas, aber vollständiger noch, denn sie hat die volle Zustimmung der Imperialisten des anderen Lagers und sie kann die »organische« Teilnahme einer institutionalisierten Opposition vorweisen! Eine monströse Synthese all ihrer Formen politischer Herrschaft, die vollständige Diktatur der Bourgeoisie, kurz, ein Meisterwerk der internationalen bürgerlichen Ordnung, zu dem jeder einen Beitrag geleistet hat!

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Indessen müssen die materiellen, sozialen und politischen Bedingungen, die zum Kampf geführt haben (die Lebensmittelknappheit, die Verringerung des Reallohnes, die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, die politische Unterdrückung), die polnische Arbeiterklasse immer wieder in den Kampf treiben. Und die neue Welle der Kämpfe wird härter und unbeugsamer sein müssen, denn diese werden nicht nur gegen die Regierung, die offizielle Partei, ihre Bürokraten und ihre Miliz und gegen die russischen Herren geführt werden müssen, sondern auch gegen die Kräfte, die die Interessen Arbeiterpolens dem bürgerlichen Polen unterordnen zum Nutzen der herrschenden Weltordnung.

Jene Proletarier, welche verspürten, dass es bei den Vereinbarungen zwischen den Führern der »Solidarität« und der Regierung nicht um ihre eigenen Forderungen ging, sondern um die Erzielung einer Übereinstimmung, um der Arbeiterklasse neue Opfer abzuverlangen; diejenigen, die versuchten, gegen die einseitigen Waffenstillstände vorzugehen, und sich durch die Appelle der Kirche und der »Gewerkschaftsberater« nicht einschläfern liessen; diejenigen, die der Einschüchterung durch die russischen Panzer mit der Vorbereitung einer militärischen Verteidigung der Lebens- und Organisationszentren der Arbeiter antworteten, diese Avantgarde der Arbeiterklasse, all diese tapferen Proletarier, gebrandmarkt als »Anarchosyndikalisten«, als verstockte Träumer, als die eigentlichen Gegner der Erneuerung Polens, sie sind es, die sich in der Kampftradition des polnischen Proletariats befinden, sie sind die besten Garanten seiner revolutionären Zukunft - selbst wenn die noch konterrevolutionären Kräfteverhältnisse, die oben geschilderte internationale Front konterrevolutionärer Kräfte, die sich angesichts der Zuspitzung der Klassengegensätze in Polen gebildet hat, von der Arbeiteravantgarde berücksichtigt wird, und sie dazu zwingen wird, verständlicherweise eine Ruhepause in ihrem mutigen, ehrgeizigen und harten Kampf einzulegen.

Die Geschichte hat im Laufe von vierzig Jahren bewiesen, dass sich das polnische Proletariat nunmehr in die vorderste Front im Kampf gegen die imperialistische Weltordnung gestellt hat, an den gleichen Platz, den ehedem die polnische Bourgeoisie gegen die europäische Feudalordnung eingenommen hatte.

Diesen Platz eroberte es mit der ruhmreichen Warschauer Kommune, dem einzigen Beispiel kollektiven proletarischen Heldentums während des viehischen Gemetzels der Völkerherden, das der zweite imperialistische Krieg war. Es rettete damit die Ehre des internationalen Proletariats, aus dem tiefsten Grunde der riesigen erlittenen Niederlage die Ablehnung der herrschenden Ordnung herausschreiend. Diesen Platz behauptete es zu verschiedenen Malen, 1956, 1970, 1976 und 1980, wo es einige der seltenen massiven Beispiele für die Kraft der Arbeiterklasse gab und mehr noch den Weg aufzeigte, der für die Durchsetzung ihrer Forderungen verfolgt werden muss. Es verteidigt diesen Platz, weil es im Herzen des alten kapitalistischen und imperialistischen Europas, wo die Konterrevolution jede Klassenorganisation des Proletariats niedergewalzt hat, das erste Proletariat ist, dem es gelingt, vom Aufruhr und spontanen Streik zur planmässigen Vorbereitung des Kampfes und der systematischen Organisation auf ökonomischem Gebiet überzugehen.

Auf diesem Ehrenplatz hält es sich immer noch stolz, weil es mit der mächtigen Bewegung vom 1. Juli 1980 dem internationalen Proletariat die Grenzen des unmittelbaren Verteidigungskampfes zum Greifen nahe vorführte. In der Tat: dort, wo der Arbeiterkampf in Polen heute angelangt ist, d.h. wo der Verteidigungskampf gegen die kapitalistische Ausbeutung den wirtschaftlichen Niedergang noch verschärft, dort lautet die offene historische Alternative: entweder Wiederaufrichtung der bürgerlichen Ordnung oder Sturz des Kapitalismus. Einzig und allein die proletarische Revolution kann Schluss machen mit der Lohnarbeit und der Kapitalakkumulation in privaten oder öffentlichen Betrieben, mit dem damit einhergehenden permanenten Krieg zwischen den Betrieben und den Staaten, mit der Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol der Gesellschaft und der von Elend auf dem Anderen, indem sie auf Weltebene sämtliche Ressourcen und den ganzen produzierten Reichtum in Gemeineigentum überführen wird.

Um den Kampf heute in Polen weiterführen zu können und um der monströsen Alternative: freiwillige oder erzwungene Unterordnung unter die Forderungen des internationalen Kapitals entgehen zu können, sind die Proletarier der Avantgarde gezwungen, die Unterordnung unter die Bedürfnisse der nationalen Wirtschaft, die sie bisher instinkthaft so grossartig zurückgewiesen haben, nunmehr voll bewusst abzulehnen. Sie müssen jede Verständigung und jeden Block mit den versöhnlerischen Kräften der national-demokratischen Opposition bekämpfen. Das macht es notwendig, den unmittelbaren Kampf mit der Vorbereitung der revolutionären Machtergreifung zu verbinden, wie weit letztere auch noch von uns entfernt sein möge.

Nachdem unsere polnischen Klassenbrüder durch ihren Kampf machtvoll dazu beigetragen haben, die Maske des »realen Sozialismus« niederzureissen und die internationale Ausrichtung der Kräfte gegen den proletarischen Kampf aufzuzeigen, tragen sie somit auch - zweifelsohne unbewusst, aber angetrieben von einem unerbittlichen Determinismus - dazu bei, den politischen Boden für die proletarische Revolution und die internationale Sammlung der Klassenenergien um das revolutionäre kommunistische Programm von Marx und Lenin freizulegen.

Die polnischen Proletarier haben viel getan für den Kampf des Weltproletariats. Sie haben ihr besten gegeben. Sie werden gewiss noch viel geben.

Sie brauchen die Solidarität ihrer Klassenbrüder in allen Ländern, zu deren Kampf sie so mächtig und grossmütig beitragen! Die Militanten der Partei, die ihrerseits während so langer Jahrzehnte darum gekämpft hat, die Waffen der proletarischen Befreiung unversehrt zu halten und zu schärfen, müssen die Unermesslichkeit ihrer Verantwortung spüren und sie in eine revolutionäre Aktion umsetzen, die der Ergebenheit und der Opferbereitschaft der polnischen Arbeiterklasse, dieser tapferen Avantgarde des Weltproletariats, ebenbürtig ist.

Source:»Kommunistisches Programm«, 1981, Nr.28, S. 1-9

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