Rueckblick auf den grossartigen Streik der amerikanischen Bergarbeiter
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RÜCKBLICK AUF DEN GROSSARTIGEN STREIK DER AMERIKANISCHEN BERGARBEITER
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Rückblick auf den grossartigen Streik der amerikanischen Bergarbeiter
Eure Kohle ist unser Blut!
Der »Gelbe Hund«
Gegen das Taft-Hartley-Gesetz
Nur ein Waffenstillstand
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Rückblick auf den grossartigen Streik der amerikanischen Bergarbeiter
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Wenn wir hier einige Monate nach den Ereignissen eine Bilanz des grossartigen Bergarbeiterstreiks, der den Sozialfrieden der Vereinigten Staaten von Dezember 1977 bis März 1978 erschütterte, ziehen wollen, so wegen der Bedeutung, die ein solcher Kampf, der als Antwort auf die Vertiefung der internationalen Wirtschaftskrise den Weltimperialismus in seinem Herzen traf, für die Wiedergeburt des internationalen proletarischen Klassenkampfes gewinnen kann.

Eure Kohle ist unser Blut!
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Der Streik brach aus als Antwort auf die bürgerliche Offensive gegen die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter, die für den Kapitalismus die einzige Lösung, um seine Krisen zu überwinden, darstellt. Dies springt klar in die Augen, wenn man einen kurzen Blick auf die Jahre wirft, in denen die Ölkrise begann.

Die Erhöhung der Ölpreise führte dazu, dass die Kohle, die aufgrund der höheren Herstellungskosten ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren hatte, zumindest teilweise wieder zurückgewann. So stieg in den Bergwerken der Appalachen, deren Produktionskapazität in den 60er Jahren nur zu 55% ausgelastet war, dieser Prozentsatz im Jahre 1975 wieder auf 93% an. Auch die Ausbeutung der Bergarbeiter verschärfte sich erheblich, so dass sie heute 50 Stunden pro Woche unter Tage arbeiten. Diese Steigerung der Produktion wurde von einer Steigerung des Blutzolls, den die Bergarbeiter zu entrichten haben, begleitet: seit 1970 kam es zu mehr als 1000 Toten in den Stollen, Tausende und Abertausende von Bergarbeitern wurden aufgrund von Silikose »arbeitsunfähig« oder starben den Staublungentod. »Eure Kohle ist unser Blut!«, dieser Ruf der Bergarbeiter während ihres Streiks ist also nicht bloss eine poetische Metapher.

Die spontanen lokalen und Generalstreiks und vor allem die Streiks zum Zeitpunkt der Erneuerung der Tarifverträge (ein 7-wöchiger Streik 1971 und ein fast 5-wöchiger Streik 1974) waren die Antwort der Bergarbeiter auf diese wachsende Ausbeutung. Dieser hartnäckige Widerstandskampf führte dazu, dass die Kapitalisten an der
»
enormen Steigerung der Produktion und der Profite, die für die Befriedigung des nationalen Energiebedarfs unerlässlich ist«,
wie es die New York Times vom 12.3.1978 scheinheilig ausdrückte, gehindert wurden

So strichen die Bergwerksgesellschaften im Juli 1977 die kostenlose Krankenfürsorge und zwangen die silikosekranken Arbeiter, einen Teil der medizinischen Behandlung selbst zu bezahlen (700 Dollar pro Jahr). 80 000 in der UMWA (Bergarbeitergewerkschaft, die insgesamt 160 000 Mitglieder zählt) organisierte Bergarbeiter erklärten spontan den Streik, der bis Anfang September andauerte, wo er durch ein Manöver der Gewerkschaftsbonzen gebrochen wurde. Mit dem Versprechen, den Streik zwei Monate später wieder aufzunehmen (d.h. einen Monat vor Auslaufen der Tarifverträge) gelang es ihnen, eine Wiederaufnahme der Arbeit zu erreichen. In Wirklichkeit bestand ihr Erfolg darin, den Unternehmern eine dreimonatige Verschnaufpause verschafft zu haben, während der die Bergwerksgesellschaften nicht nur die durch den Streik verursachten Verluste wieder wettmachen, sondern ebenfalls riesige Vorratslager anlegen konnten, um dem Streik zum Zeitpunkt der Tarifvertragserneuerungen entgegentreten zu können. Zur gleichen Zeit bereiteten die Unternehmer mit eifriger Hilfe Arnold Millers, des Vorsitzenden der UMWA, eine Reglementierung des Streikrechts vor, um
»
grosse illegale Streiks in Zukunft zu verhindern« (New York Times vom 25.1.78).

Der »Gelbe Hund«
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Genau an dem Tag, wo der Tarifvertrag auslief, dem 6.12., begann der Streik, entschlossen und kompakt, ohne Streikkasse und ohne Krankenfürsorge. Einzige Rücklage war die Pensionskasse, die nur für zwei Monate reichte. Die Bergarbeiter antworteten auf die Offensive der Bourgeoisie und ihrer Agenten innerhalb der Arbeiterklasse, die dick bezahlten Bürokraten (Herr Miller hat ein bescheidenes Jahreseinkommen von 45 000 Dollar), indem sie ihren Kampf von Anbeginn auf den Boden des Klassenkampfes stellen. Sie nehmen die klassenmässigen und gewaltsamen Kampfmethoden wieder auf, die die traditionellen Kampfmethoden der Arbeiterbewegung waren, bevor diese durch die demokratische Kollaboration der Gewerkschaftsbonzen, die sich an die Bourgeoisie verkauften, domestiziert wurde, Auf dass dieses begeisternde Beispiel eines klassenmässigen Kampfes sich in das Gedächtnis der Arbeiterklasse der zwei Teile des amerikanischen Kontinents und der ganzen Welt tief eingrabe!

Am 6. Dezember also beginnt der Streik. Sämtliche Gruben, in denen die Bergarbeiter von der UMWA eingestellt werden, bleiben geschlossen, was durch tägliche Arbeiterstreikposten gewährleistet wird. Der Streik führt spontan dazu (es braucht nicht erst erwähnt zu werden, dass Miller und Konsorten natürlich nichts taten, um ihn zu organisieren, ganz im Gegenteil), dass sich 160 000 Bergarbeiter (100%) und 85 000 Pensionierte diszipliniert in bewaffneten Gruppen organisieren. Hinter dieser Armee stehen fast 600 000 Menschen (Frauen, Kinder, Eltern), die in einem relativ beschränkten Gebiet, das den Kern des östlichen Kohlebeckens der Vereinigten Staaten ausmacht, zusammengeballt sind (Virginia, Kentucky, Pennsylvania, Ohio, Indiana und Illinois). Während die Unternehmer ruhig abwarten, überzeugt davon, dass die Arbeiter aufgrund des Hungers schneller erschöpft sein werden als ihre Vorratslager, versuchen die Grubenarbeiter, den Streik auf die »unabhängigen« Bergwerke auszudehnen (d.h. die Gruben, wo nicht die UMWA die Bergleute einstellt). Wenn es ihnen nicht gelingt, die in der jeweiligen Grube arbeitenden Bergarbeiter auf ihre Seite zu ziehen, wenden die Streikenden Gewalt an und stellen vor der Grube Streikposten auf, um die Arbeit zu verhindern. In diesen Fällen kommt es zu Auseinandersetzungen mit den Leuten des Werkschutzes und den Streikbrechern. In den Schiessereien, die diese Auseinandersetzungen kennzeichneten, kam es auf seiten der Streikenden zu zwei Toten: der eine wurde von einem Mann des Werkschutzes ermordet, der andere fiel im Laufe eines Gefechts mit den Streikbrechern.

Aber die Streikenden begegnen nicht nur den Streikbrechern mit der Klassengewalt (Streikposten und Einschüchterung durch Waffengewalt), sie versuchen ebenfalls die Auf- und Entladung der »Streikbrecher«-kohle zu verhindern und zögern nicht, sich zu diesem Zwecke des Dynamits zu bedienen. So sprengen sie in Rockport (Indiana) eine Flussladebrücke, über die die Kohle transportiert wurde, in die Luft; der Polizei gelingt es, mit einem Schlag 194 Streikende einzukreisen und gefangenzunehmen (in 12 weiteren Staaten finden ähnliche Zusammenstösse statt).

Im Januar gehen die Gelder, mit denen die Streikenden rechneten, zu Ende, und in den wenigen im Westen bestreikten Bergwerken werden Separatverträge abgeschlossen (aber die Auswirkung hiervon ist unbedeutend, da diese Bergwerke zu weit entfernt liegen, um die Kohle ohne zu grosse Umstände in die Industriezentren des Nordostens transportieren zu können). Trotz alledem geht der Streik unerschütterlich weiter. Die Unternehmer beginnen sich zu sorgen, da ihre Vorräte nur für 40 Tage hinreichen und da vor allem
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ein Streik, der im Februar weitergehen würde, begänne eine »soziale Frage« zu sein, anstatt nur ein einfacher ökonomischer Kampf« (New York Times vom 9.1.).
Man nimmt also schnellstens die Verhandlungen wieder auf, und Miller handelt mit dem Unternehmern einen Vertrag aus, den er als den »bei weitem vorteilhaftesten Vertrag, der in den letzten zwei Jahren in den grossen Industriebereichen erzielt wurde« bezeichnet. Folgendes sah dieser herrliche Vertrag vor: Lohnerhöhungen von 31% im Laufe von 3 Jahren; Abschaffung der 1974 erhaltenen gleitenden Lohnskala; Abschaffung der kostenlosen Krankenfürsorge; Einführung eines Prämiensystems; 20 Dollar Strafe pro Abwesenheitstag für insgesamt maximal 10 Tage (anders ausgedrückt: Streikstrafe); Zahlung einer Prämie von 200 Dollar, In der Tat eine hervorragende Errungenschaft, die das Mass, mit dem ein Herr Miller und seine Spiessgesellen messen, nur allzu deutlich erkennen lässt!

Bevor dieser glänzende Vertrag den Arbeitern zur Abstimmung zugeht, wird er dem Vorstand der UMWA vorgelegt. Aber die Bergarbeiter warten nicht ab: sie schicken eine Delegation von 200 Bergarbeitern zum Gewerkschaftssitz in Washington, die den tagenden Vorstand buchstäblich einem Belagerungszustand aussetzen und dazu zwingen, den Vertrag abzulehnen. Rechtzeitig vom Auftauchen der Bergarbeiter benachrichtigt, nimmt Miller an dieser Vorstandssitzung nicht teil:
»
Er hat uns mitten zwischen diesen wütenden Typen hängengelassen«,
so die Beschwerde eines Vorstandsmitglieds. Der Vertrag wird schliesslich am 11.2. abgelehnt, aber nicht wegen seines Inhalts, sondern wegen eines formalen Fehlers. Der Vorstand flüchtet sich in die Ausrede, dass ihm nicht der vollständige Text zugegangen sei. Die Bürokraten ziehen sich aus der Affäre, ohne die Unternehmeroffensive zurückgewiesen zu haben. Aber die Bergarbeiter ihrerseits haben dies getan!

Das Datum des 11.2. ist in zweifacher Hinsicht von Bedeutung: einerseits brechen die Streikenden mit ihren offiziellen Vertretern und andererseits geht die amerikanische Regierung zur Offensive über (ein zufälliges zeitliches Zusammenfallen?). Carter verhängt den Notzustand in Ohio, zwei Tage später in Indiana und Virginia, anschliessend in noch anderen Staaten. Der Stromverbrauch wird um 25% herabgesetzt, und zum Zwecke des Streikbruchs organisiert man einen nationalen Plan, der, wie es sich gehört, von einer enormen Verstärkung des Unterdrückungsapparates begleitet wird (der Gouverneur von Indiana geht soweit, eine Antiguerilla-Spezialeinheit zu schicken).

Trotz alledem weichen die Bergarbeiter nicht zurück. Am 15. Februar veranstalten sie in Charleston, der Hauptstadt von West-Virginia, eine Demonstration gegen Miller; sie greifen den Sitz des Unternehmerverbandes an; dringen in die Säle des Bundesgerichts ein, wo die Prozesse gegen die in den Auseinandersetzungen von Juli bis September beteiligten Bergarbeiter abgehalten werden. Trotz der wiederholten Drohungen Carters, das berüchtigt-berühmte Taft-Hartley-Gesetz (Arbeitszwangsgesetz) anzuwenden, gehen die Streikenden noch weiter und verwandeln ihre Streikposten in wahrhafte mobile Patrouillen, deren Ziel es ist, die vom nationalen Plan vorgesehenen Kohletransporte, die den Streik brechen sollen und die natürlich von der Nationalgarde eskortiert werden, aufzuhalten. Die grösste dieser Patrouillen umfasst 300 Streikende und 100 Autos, die an der Grenze zwischen Ohio und Kentucky auf- und abfahren und dabei von den Polizeiflugzeugen gefolgt werden. Ein weiteres Beispiel für die Entschlossenheit und die Klassengewalt der Bergarbeiter: Zur Verhinderung der Eisenbahntransporte werfen sie brennende Lastwagen auf die Schienen oder reissen diese zum Teil aus.

Carter setzt zum Gegenangriff an. Er beruft den UMWA Vorstand ins Arbeitsministerium und stellt ihn unter Bewachung von bewaffneten Marinesoldaten, während man einen neuen Vertrag ausarbeitet. Am 25. Februar stellt Miller - immer noch mit einem Siegeslächeln - den neuen Vertrag vor, der, während er den Pensionierten einige elende Krümel gewährt, die Abschaffung der kostenlosen Krankenfürsorge sowie die Strafverhängung (die jetzt aber nur noch für die »Führer« und »Aufwiegler« Geltung haben soll) beibehält. Im gleichen Zug wird die Prämie von 200 auf 100 Dollar herabgesetzt. Trotz der gigantischen Werbekampagne, die im Fernsehen für diesen Vertrag gestartet wurde (Kostenpunkt: 40 000 Dollar) und trotz der erneuten Drohung Carters, das Taft-Hartley-Gesetz anzuwenden, wird der neue Vertrag, der von den Arbeitern »der gelbe Hund« genannt wird, im Verhältnis von 2 zu l abgelehnt (in den kämpferischsten Distrikten ist das Verhältnis 4 zu 1).

Gegen das Taft-Hartley-Gesetz
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Am 6. März bringt Carter das Taft-Hartley-Gesetz, das als ein »Gesetz zur Zwangsarbeit« definiert ist, zur Anwendung. Das Gesetz sollte drei Dingen dienen:
1) sollte es ermöglichen, einige Gruben in den Randstaaten wieder zu öffnen;
2) einen stärkeren Verkehr der »Streikbrecher«-Kohletransporte ermöglichen (zu diesem Zwecke tritt sogar der Armeestab selbst auf die Bühne, der erneut Antiguerillapläne - den »Garden-Plot-Plan« - anwendet, derer man sich 1971 gegen die Vietnamdemonstrationen bediente);
3) soll dieses Gesetz es ermöglichen, das Netz der Bergwerksdelegierten, das lebenswichtige Herz des Streiks - zu zerbrechen, indem man nahezu 1000 Delegierte ins Gefängnis brachte, die anschliessend gegen Kautionen wieder freigelassen wurden, was die halbleeren Kassen der Gewerkschaft endgültig leeren sollte.

Das Gesetz tritt am 11. März in Kraft. Das Ergebnis: es trägt lediglich dazu bei, den Streik, der seinen Höhepunkt an Kampfbereitschaft erreicht, zu verstärken. Nur 5% der Bergarbeiter gehen arbeiten; in Virginia, wo der Streik von Anbeginn am stärksten war, arbeitet keine einzige Grube, Die wenigen Streikbrecher werden mit Feuerschüssen empfangen, und es gibt einen Toten. Die Streikposten sind bewaffnet (sie benutzen alle möglichen Waffen, angefangen bei Steinen bis hin zum Dynamit). Eine einzige Sache hat sich an ihrem Kampf verändert: sie treten jetzt maskiert auf. Sogar die New York Times muss zugeben, dass die
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160 000 Streikenden sich geweigert haben, an die Arbeit zurückzukehren« (15.3.).
Am 18. März wird das Taft-Hartley-Gesetz, kaum eine Woche nach seinem Inkrafttreten, wieder aufgehoben! Allein das ist bereits ein grosser Sieg für die Bergarbeiter.

Die Bourgeoisie hat also genau das entgegengesetzte Resultat dessen, was sie sich erhoffte, erreicht. Anstelle der nationalen Solidarität gegen die Streikenden entsteht der Keim einer Klassensolidarität, die sich in der Sendung von Geldspenden (fast 4,5 Millionen Dollar) und Naturalspenden (die streikenden Landarbeiter des Missouri schicken eine Ladung Lebensmittel) sowie im Abhalten von Solidaritätsversammlungen in verschiedenen Arbeiterzentren ausdrückt (so in Detroit, Baltimore, Martinsburg und sogar in Kalifornien).

Nur ein Waffenstillstand
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Erst am 3. April wird der Streik nach der Annahme eines neuen, unter dem Taft-Hartley-Gesetz ausgearbeiteten Vertrages, der am 14.3. vorgelegt wird, vollständig abgebrochen und die Arbeit in allen Gruben wieder aufgenommen. Bekanntlich wird dieser dritte Vertrag am 24.3. durch eine Mehrheit von nur 57% angenommen. Am selben Tag sprengt eine Gruppe von Bergarbeitern den Maschinenpark einer Gruppe in Virginia in die Luft. Viele Arbeiter kostet es eine ganze Woche der Überwindung, bis sie wieder zur Arbeit kommen, und bis zum 2.4. gibt es immer noch 30 000 Streikende. Die Wiederaufnahme der Arbeit war weder eine Niederlage noch eine von Hunger erzwungene Unterwerfung. Und dies aus zwei Gründen: Einerseits zeigt die Untersuchung der Abstimmung, dass die für die Wiederaufnahme der Arbeit stimmende Mehrheit nur erreicht wurde durch die Wahlbeteiligung rückständiger Arbeiter, die bei den vorhergehenden Abstimmungen nicht gestimmt hatten. Es gab 58 000 Ja- und 44 000 Neinstimmen, also insgesamt 102 000 Wähler, während sich bei der Abstimmung des zweiten Vertrages am 5.3. eine Mehrheit von 56 000 Neinstimmen gegenüber 26 000 Jastimmen ergeben hatte. Bei dieser dritten Abstimmung also waren die Neinstimmen nur um 12 000 gesunken, während die Jastimmen sich um 32 000 erhöht hatten. Darüber hinaus gab es laut der New York Times vom 26.3.
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Hunderte von lokalen Gewerkschaftssektionen und eine gewisse Anzahl von Distrikten, wo erneut eine 2/3-Mehrheit für Nein gestimmt hat«.
Das bedeutet, dass der kämpferische Kern von streikenden Arbeitern seine ursprüngliche Kampfbereitschaft nicht eingebüsst hat.

Andererseits stellt der Vertrag selbst keine Niederlage dar, da die Verhängung von Bussgeldern und Strafen aus ihm gestrichen wurde, er eine Lohnsteigerung in Höhe der voraussichtlichen Steigerung der Lebenshaltungskosten vorsieht (32%) und die zu zahlende Krankenfürsorgebeteiligung auf 200 Dollar pro Jahr zurückgeschraubt wurde.

Die wesentliche Bedeutung dieses Streiks liegt aber im Mut und der Entschlossenheit der amerikanischen Bergarbeiter sowie den von ihnen angewandten Kampfmethoden: Organisation von bewaffneten Streikposten; Unterdrückung der Streikbrecher; Sabotage der Kohletransporte; Ausweitung des Streiks auf die anderen Produktionszentren des gleichen Industriezweigs; und vor allem Organisierung des Streiks ausserhalb (und gegen) die Gewerkschaftsbürokratie unter völliger Missachtung der Spielregeln demokratischer Legalität. Dank der Anwendung der Methoden des Klassenkampfes haben die Bergarbeiter, obgleich ihre Forderungen nicht zu 100% erfüllt wurden, gesiegt, weil sie den Sozialfrieden, die Solidarität mit dem Vaterland, die gewerkschaftliche »Sozialpartnerschaft« und selbst die Militärischen Kräfte des Staates und die Unternehmeroffensive gebrochen haben. Sie haben bewiesen, dass man die scheinbar allmächtige und unbesiegbare Kraft der amerikanischen Bourgeoisie zum Zurückweichen zwingen kann, vorausgesetzt man stützt sich auf die organisierte Kraft des Proletariats und auf den bedingungslosen Klassenkampf.

Mit dem Bergarbeiterstreik ist der Klassenkampf mit Macht auf den Schauplatz Nordamerika zurückgekehrt. Dies ist ein erster grosser Sieg.

Source: »Kommunistisches Programm«, Nr.20, Dezember 1978

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