IBKL - Internationale Bibliothek der Kommunistischen Linken
[last] [home] [content] [end] [search]

DER KAMPF DER ENGLISCHEN BERGARBEITER
If linked: [English] [French] [Italian] [Spanish]


Content:

Der Kampf der englischen Bergarbeiter
Kapitalismus = Elend
Die Sabotage des Opportunismus
»Mit der Labour Party zurück zur Arbeit«
Heute. Und morgen?
Source


Der Kampf der englischen Bergarbeiter
[top] [content] [next]

Wie angegeben wurde der nachstehende Artikel im Februar diesen Jahres vor dem Wahlsieg der Labour Party geschrieben. Genauso ersichtlich ist auch, dass der Sieg der Labour Party einen grossen Sieg der Bourgeoisie darstellt. Mit ihrer simpelsten und traditionellsten - aber so wirkungsvollen - Waffe hat sie die grossartige Kampfbereitschaft und die mutige Bewegung der Bergarbeiter vorübergehend erstickt: mit dem Wahlkampf. Wenn es damit gut klappt, ist der Waffeneinsatz nicht einmal erforderlich. Es wird nicht mehr gekämpft, es wird »gestimmt«. Die oppositionelle »Arbeiterpartei« ist ja da, um ans Ruder zu kommen und die Lage (die Lage der Nation, versteht sich) zu retten. Nach dem Ablenkungsmanöver kommen die Scheinmassnahmen und... die Stimme der Staatsräson. Almosen hin, Almosen her, für eine Weile hat man es geschafft: es wird versprochen, verhandelt; die demoralisierten, enttäuschten Arbeitermassen sollen arbeiten, und warten, bis »ihrer Partei« alles arrangiert. Kampfstimmung, Kampfvorbereitung sind verschwunden.

Heath und Wilson (und die Trade Unions) kennen ihr Geschäft. Dass sie aber so geschickt handeln müssen, dass sie ihre grosse politische Tradition schon bei einem grösseren Streik voll in Anspruch nehmen müssen, ist ein Zeichen mehr dafür, dass die kapitalistischen Gegensätze innerhalb des Proletariats die Bedingungen für eine politische und organisatorische Einflussnahme des Kommunismus heranreifen lässt, für die Wiedergeburt der Kommunistischen Partei, einer Partei der revolutionären Vorbereitung, einer Partei, die versucht, aus den Tageskämpfen Energien zu speichern, die später für den Aufstand und die Vernichtung des bürgerlichen Staates kanalisiert werden.

Unter dem unerbittlichen Druck des Kapitals, genötigt, ihre elementarsten Lebensbedingungen zu verteidigen, sind beachtliche Schichten des englischen Proletariats in Bewegung getreten. In Anbetracht der Bedeutung dieses Kampfes für die Gesamtheit des britischen Proletariats, dessen Lebensbedingungen sich immer mehr verschlechtern, haben die Breite und Kraft des Bergarbeiterstreiks dem Konflikt einen Charakter von politischem Kampf verliehen, der die zwei antagonistischen Klassen der modernen Gesellschaft gegenüberstellt: auf der einen Seite die Bourgeoisie mit ihrem Staat und der Unterstützung ihrer vielen Bediensteten, die sich seit langem in der Führung der Arbeiterorganisationen installiert haben; auf der anderen Seite dass Proletariat, das sich gegen die Zuspitzung der kapitalistischen Ausbeutung wehren und auf die einen und die anderen stossen muss.

Die Lage der englischen Proletarier stellt nichts anderes dar, als die Ankündigung des Verfalls der wirtschaftlichen Situation, und des wachsenden Druckes, dem die Arbeiterklasse in den wichtigsten kapitalistischen Ländern ausgesetzt ist. Im Falle Grossbritanniens, wird das alles durch die langsame und unabwendbare Dekadenz des britischen Imperialismus im Rahmen der kapitalistischen Welt noch verschlechtert. Zu einer Industriemacht zweiten Ranges zurückversetzt, musste England zusehen, wie sein Anteil am Weltmarkt zusammenschrumpfte, während die Erhöhung der Rohstoffpreise die Importkosten jäh in die Höhe trieb. Mit der Zuspitzung der interimperialistischen Konkurrenz hat sich die Situation der Handelsbilanz und Zahlungsbilanz verschlimmert, und neigt dazu, sich immer weiter zu verschlimmern, ohne dass die bedeutenden Profite, die der alte Wucherimperialismus nach wie vor aus dem Ausland holt, ausreichen, um das Defizit zu decken. Die Bemühungen der letzten Labourregierung, den Industrieapparat zu erneuern und die Produktivität zu steigern (Kosten für die Arbeiterklasse: zirka 1 Million Arbeitslose Anfang 1972) hatten sich als ungenügend erwiesen, um die Konkurrenzfähigkeit der Exporte wiederherzustellen, und die Tendenz der Profitrate, seit 1950 ständig und regelmässig fallend, umzukehren. Es war notwendig, mehr zu tun: die Ausbeutung durch Lohnsenkung zu erhöhen. Dieses war das Ziel des »Plans gegen die Inflation«, den die Regierung Heath in Kraft setzte. Der britische Kapitalismus verschob den enormen Druck des Weltmarktes auf den Rücken der Arbeiterklasse - es geht halt nicht anders.

Um die soziale Gärung zurückzuhalten, beschränkte sich der Staat keineswegs auf die üblichen Appelle zur nationalen Solidarität und zu den notwendigen Opfern (und Konservative und Labouristen stehen im Wettkampf, wer wohl für diese Aufrufe die pathetischsten Töne findet), sondern errichtete ein gesetzliches Arsenal im wahrsten Sinne des Wortes, das von Wilson konzipiert und von Heath ausgearbeitet wurde - der Industrial Act - dass die kleinsten Arbeitskonflikte in Verhandlungs- und Versandungsbestimmungen einsperrte. Hunderten und aberhunderten von agitierenden Arbeitern konnte somit die magere Arbeitslosenunterstützung verweigert werden, und man ging bis zur Drohung, auch die sogenannte »Fürsorgeunterstützung« zu streichen, die der Staat den Müttern und Kindern bezahlt, um den fehlenden oder unausreichenden Lohn des Familienoberhauptes auszugleichen (solche »zusätzlichen Spenden« werden in der Tat ausgesetzt, wenn ein Arbeiter in den Streik tritt). Andererseits wurden die Polizei (mit Übungen und Ausrüstungen für den Anti-Streik-Kampf) und die Armee (die in Irland geeignetes Übungsgebiet findet, um nach der kolonialen Repression die gute Kondition nicht zu verlieren) gestärkt. Vor allem konnte aber der englische Imperialismus - um die Arbeiterrebellion von innen heraus zurückzuhalten und zu erwürgen, und das Proletariat an die Karre der nationalen Wirtschaft fest zu binden - mit der wertvollsten aller Unterstützung rechnen: mit den loyalen Bediensteten ihrer königlichen Hoheit, die seit langem an der Spitze der Trade Unions sitzen.

Kapitalismus = Elend
[prev.] [content] [next]

Dieses ganze bürgerliche Arsenal reichte aber nicht aus, um den Zorn der Bergarbeiter wegen der Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen zu ersticken. Wie der Bericht einer offiziellen Untersuchungskommission zugab, die während der Streiks von 1972 einberufen wurde,
»
zählen die Arbeitsbedingungen in den Kohlegruben zu den härtesten«.
Die Grubenarbeiter müssen oft wegen der unerträglichen Hitze nackt arbeiten, in Kolonnen von drei bis acht. Die Arbeit in der Nachtschicht (die bestbezahlte), bringt (es handelt sich um Bruttolöhne!!) den weniger qualifizierten Arbeitern (der Mehrheit) 28 £ die Woche und den qualifiziertesten 36,8 £. Einmal vom Kapital voll ausgequetscht, müssen die älteren Arbeiter - die nicht mehr so produktiv sind - oder jene, deren Gesundheit an der bestialischen Arbeit kaputt ging, draussen über Tage arbeiten, wo sie höchstens (Nachtarbeit der bestbezahlten Kategorie) 26,6 £ die Woche verdienen. (Alles offizielle Zahlen gemäss »Times« vom 30. 1. 1974). Laut Angaben der englischen Presse können die Nettolöhne bis auf 19 £ zurückgehen. Der bezahlte Urlaub beträgt zwei Wochen im Jahr. Ein verheirateter Arbeiter mit drei Kindern erklärte dem Reporter von der »Times«:
»
Ich kann sie nicht mehr ernähren, und deshalb bin ich für den Streik«,
während in der »Financial Times« vom 28.12.73 zu lesen war, dass
»
ein Zehntel der Bevölkerung heute mehr als die Hälfte des Reichtums besitzt, während die Hälfte der Bevölkerung sich mit einem Zehntel, oder weniger, arrangieren muss«.
Da haben wir das Ergebnis des kapitalistischen Fortschritts nicht in einem Lande, das noch mit den Problemen der allerersten kapitalistischen Entwicklung zu kämpfen hat, sondern im ältesten kapitalistischen Land der Welt!

Trotz des Verfahrens der offiziellen geheimen Wahl, die aufgezwungen wurde, um die Kampfbereitschaft der Arbeiter zu schwächen und abbröckeln zu lassen, trotz der Stimmenabzählung, die nicht von den Arbeitern selbst, sondern von einer »neutralen« bürgerlichen Institution durchgeführt wurde, trotz der giftigsten bürgerlichen Kampagne gegen jene »die England versenken wollen«, trotz alledem, hat die grösste Mehrheit der Bergarbeiter (81 %) für den Streik gestimmt. Vor diesem Druck haben die Gewerkschaftsführer - die vorher erklärt hatten, dass sie an den Streik nicht glaubten - versucht, mit der Regierung in der letzten Minute einen Kompromiss zu schliessen, um »das Schlimmste zu vermeiden«. Nachdem dies gescheitert war, mussten sie gegen den eigenen Willen die Arbeitsniederlegung ausrufen, trotz der offenen Opposition des Gewerkschaftsvorsitzenden Gormley.

Die Sabotage des Opportunismus
[prev.] [content] [next]

Seit Beginn des Konflikts (der im November mit dem weissen Streik, mit der Überstundenverweigerung angefangen hatte) hatte die wesentliche Sorge der Gewerkschaftsfunktionäre darin bestanden, die Zuspitzung des Kampfes zu verhindern. Um die Bewegung zu isolieren und ihre Verbreitung zu vermeiden, erklärte die Führung der Trade Unions ausdrücklich, dass die Bergarbeiter einen Einzelfall darstellen, der eine Sonderbehandlung verdiente und versicherte der Regierung, dass eventuell Konzessionen an die Bergarbeiter keineswegs als »Präzedenzfall« für andere Kategorien gelten würden. Murray, der Generalsekretär der TUC erklärte am 16. Januar 1974:
»
Wir haben der Regierung gesagt, dass wir den Fall der Bergarbeiter und die jetzigen Umstände nicht nur als Ausnahmefall, sondern auch als einzigen Fall betrachten. Wir versicherten der Regierung, dass, wenn unser Vorschlag angenommen wird, der allgemeine Rat der TUC dasselbe für keine andere Arbeitergruppe verlangen wird« (»Economist«, 26.1.74).
Die absolute Gemeinheit einer solchen Erklärung wird dadurch noch verschlimmert, das laut Statistik die Bergarbeiterlöhne leicht über dem Durchschnittslohn in der verarbeitenden Industrie liegen. Etwas später ergoss derselbe Murray folgende weinerliche Warnung:
»
Es gibt eine wirkliche Gefahr, dass die Unzufriedenheit zum Hass führt, und dieser wiederum zur Unnachgiebigkeit der Gewerkschaften auf der Suche nach einer vernünftigen Lösung des Problems. Niemand kann wünschen, dass gemässigten Männern keine andere Alternative gelassen wird, als die, eine kämpferische Haltung einzunehmen« (»Times«, 29.1.74).
Man sieht, wie in Grossbritannien, und so ist es überall, die sogenannte »unpolitische« Haltung der Gewerkschaften nichts anderes darstellt, als ein Feigenblatt für die schamloseste Klassenkollaboration, für die Suche nach dem sozialen Frieden zulasten der Arbeiter, für die Verteidigung des rationalen Interesses und der bürgerlichen Wirtschaft, mit einem Wort, für die Verwandlung der Gewerkschaften in Transmissionsriemen der Bourgeoisie.

Bei der dreckigen Arbeit von Sabotage des Kampfes liessen sich die sogenannten Kommunisten der Kommunistischen Partei Grossbritanniens - die Einfluss in der Führung der Bergarbeitergewerkschaft haben - von niemandem schlagen. Ihr Sprecher, Mac Gahey, erklärte einen Tag nachdem für den Streik gestimmt wurde, dass er immer noch hoffte, dass »die Vernunft siegen würde« und dass ein Kompromiss auf eine niedrigere Erhöhung als die von den Bergarbeitern geforderte immer noch möglich wäre! (»Financial Times«, 5.2.74).

Was die Labour Party anbelangt, so hat sie gleichzeitig eine »ehrbare Einigung« verlangt, »die England wieder an die Arbeit bringt«, und mit allen Mitteln versucht, die Bergarbeiter und die Arbeiterklasse im allgemeinen zu demoralisieren: vor der Wahl für den unbegrenzten Streik warnte sie:
»
Der Kampf wird sehr wahrscheinlich lang und hart sein, wird vielleicht Monate dauern (...). Es ist nicht zu spät, um die drohende Katastrophe zu vermeiden« (»Times«, 30. 1. 1974).
Gegenüber seinen bürgerlichen Herren erklärte Healey (rechter Arm von Wilson) während eines von den »Financial Times« organisierten Gespräches:
»
Wenn, wie ich glaube, die ganze Nation im nächsten Jahr sich opfern muss, ist es wesentlich, dass diese Opfer 'gerecht' verteilt werden« (»Financial Times«, 1.2.74).
Das ist die Rolle der Handlanger der Bourgeoisie: das Proletariat zu überzeugen versuchen, dass die Opfer »die ganze Nation« tangieren, und dass die Opfer »gerecht« unter Ausbeutern und Ausgebeuteten verteilt werden können! Die Wochenzeitschrift der Labours - »New Statesman« - hat die wahre Natur der Labour Party verraten, als sie in einem Leitartikel folgenden Herzensschrei entschlüpfen liess:
»
Das schlimmste ist vielleicht, dass ein harter und ausgedehnter Kampf den Klassenhass schüren wird, in einem Ausmass, den dieses Land seit den dreissiger Jahren nicht gekannt hat« (»New Statesman«, 8.2.74).
Die Kleinbürger, die von der Bourgeoisie ernährt werden, um das Proletariat zu narkotisieren, zittern beim blossen Gedanken, dass ihr Werk, ihre soziale Daseinsberechtigung und die Grundlage selbst ihres Wohlstandes mit dem Aufgehen und der Zuspitzung der Gegensätze der bürgerlichen Gesellschaft in Trümmer gehen könnte!

Da die opportunistischen Manöver an der festen Entschlossenheit der Bergarbeiter scheiterte, entschied sich die Regierung Heath für die übliche Lösung - den Kampf im demokratischen und parlamentarischen Karneval zu ertränken: die Wahlen werden vorverlegt. Wenn nötig, wechselt die Bourgeoisie ihrem Managerstab und die Labour Party wird im Dienste des englischen Imperialismus das Ruder in die Hand nehmen, um dadurch die Entwicklung der Kämpfe im Namen des nationalen Interesses zurückzuhalten und die Arbeiterklasse wieder zur Arbeit zu führen, wie sie es mehrmals bei ernsten Krisen bereits getan hat.

»Mit der Labour Party zurück zur Arbeit«
[prev.] [content] [next]

Das bürgerliche und antiproletarische Programm der Labour Party hat sich um nichts geändert, es drückt sich sehr klar aus in der Wahlparole:
»
Zurück zur Arbeit mit Labour«.
Um noch besser zu zeigen, dass es sich bloss um eine Parole handelt, hat Wilson seine Wahlkampagne mit einem Angriff auf den Streik der Lokomotivführer eröffnet, und erklärte, dass es notwendig wäre,
»
den Schwierigkeiten ein Ende zu bereiten, unter denen Tausende von Menschen leiden« (es ging nicht um die englische Arbeiterklasse, sondern um die »Kunden« der Eisenbahn!).
Die Gewerkschaftsführung hat dem Befehl der Labour Party gehorcht und den Streik einfach abgebrochen. Vorher hatten die Führer der Bergarbeitergewerkschaft schon auf Anforderung der Labour Party und der Trade Unions die Streikposten auf sechs Mann beschränkt und aus Respekt vor dem Gesetz (also auch vor dem kürzlich erlassenen, dessen einziger Zweck darin besteht, die Streikposten, die es respektieren, wirkungslos zu machen) auf der Notwendigkeit bestanden, sich »diszipliniert und verantwortungsvoll« zu verhalten und mit der... Polizei zusammenzuarbeiten (dieselbe Polizei, die nach dem Streik von 1972 ausgebildet, ausgerüstet und umorganisiert wurde, nur um die Streikposten zu neutralisieren und die Streiks besser zu unterdrücken). Dem Unterdrückungsapparat wird der Weg also von vornherein freigemacht.

Nach diesen ersten Erfolgen, erklärte Wilson in einer Pressekonferenz:
»
Wir werden England zurück zur Arbeit führen. Wir haben das nach 1964 getan und werden es wieder tun« (»Financial Times«, 13.2.74).
Am letzten Tag kritisierte er in Cardiff die konservative Regierung, weil diese
»
unser ganzes System von industriellen Verhältnissen über Bord geworfen hat« und »das System von Versöhnung in der Industrie - unser Stolz seit 50 Jahren - zerstörte« (»Financial Times«, 10.2.74).
Es ist kennzeichnend für die kleinbürgerliche Kurzsichtigkeit, der Bosheit oder Inkompetenz des schlechten Führers alle Katastrophen zuzuschreiben, die in Wirklichkeit von der objektiven Entwicklung der kapitalistischen Gegensätze verursacht werden, deren mehr oder weniger bewusste Marionetten diese »Führer« sind. Das, was den britischen »sozialen Frieden« zum grossen Leidwesen der Labour Party trübte, ist nicht die Regierung Heath, sondern der unerträgliche Druck, den das Kapital auf die englische Arbeiterklasse ausübt, und der sie unerbittlich zu einer instinktmässigen, physischen Rebellion treibt, trotz aller Trugbilder, mit denen der Opportunismus ihren Kopf solange verwirrt und gefangen hat.

In dieser Skizze der anwesenden Kräfte darf ein weiterer Hinweis auf den stalinistischen Opportunismus nicht fehlen. Die »Kommunistische Partei« Grossbritanniens ist weit davon entfernt, den Einfluss ihrer italienischen oder französischen Gleichgesinnten zu geniessen. Ihr Programm ist aber genauso opportunistisch, demokratisch und chauvinistisch und genau solcherart ist ihre politische Laufbahn. Am Ende des Zweiten imperialistischen Krieges hat diese Parteien eine »Regierung der nationalen Einheit« unterstützt, der »progressive« Konservative wie... Churchill und Eden angehörten! Nach der Regierungsübernahme durch die Labour Party 1945 warb sie für die Entwicklung der Produktion mit Parolen wie... »exportieren oder sterben«! Seit 1948 treibt sie ihre Politik unter der Rubrik des »englischen Weges zum Sozialismus«, und darunter wird selbstredend - wie für den »französischen«, »italienischen«, oder »nationalen Weg« im allgemeinen - der friedliche, parlamentarische Weg verstanden.
»
Ich bin dafür, dass diese Regierung schnellstens zu Ende geht, nach der traditionellen englischen Methode, auf dem Wege des Wahlgangs«, erklärte Mac Gahey (9. 2.19.74) der »Humanité«.
Die »traditionellen« Methoden des Opportunismus, um die Arbeiterklasse zu lähmen, sind kein Privileg des Kontinents.

Der stalinistische Opportunismus »made in Britain« ist eine Karikatur der »Brüder« auf dem Kontinent. Er kämpft für den Sieg der Labour Party, die als Äquivalent für die »progressive Demokratie« angesehen wird, die in Frankreich aus dem Sieg des gemeinsamen Programms von »Kommunisten« und Sozialisten und in Italien aus einem Linksblock entstehen sollen.
»
Die Macht der Gewerkschaften« - schrieb der »Morning Star« in einem Leitartikel - »ist gross genug, um zu einer Labourregierung zu führen, die eine Linkspolitik verfolgt und somit den Weg zum Sozialismus anbahnt« (zitiert im »Economist«, 29.12.73).
Für diese falschen Kommunisten besteht der Weg zum Sozialismus in einer Regierung für die Rettung des Kapitalismus, die ihren Einfluss auf die Gewerkschaften ausnützt, um die Arbeiter an die Disziplin der Produktion zu binden!

Heute. Und morgen?
[prev.] [content] [end]

Die schurkische Sabotagearbeit der Labour Party, der Gewerkschaften und der KP Gross Britanniens hebt die Kampfbereitschaft und die Entschlossenheit der Bergarbeiter noch klarer hervor; Proletarier, die noch einmal bereit sind, die Fesseln der sogenannten Klassensolidarität zu sprengen, und die einen grossartigen Kampf führen, auf den wir in einem nächsten Artikel zurückkommen müssen, um andere und bedeutende Aspekte zu illustrieren. Das Problem, unter dessen fehlender Lösung vor allem das englische Proletariat immer gelitten hat, wird wieder und in aller Schärfe aufgerollt: das Problem einer politischen Führung, die Frage der revolutionären Partei, ohne die auch die grossartigste Rebellion dazu verurteilt ist, sich ergebnislos zu erschöpfen.

Das ist das grosse Problem, dass die Zukunft stellt, denn die unvermeidliche Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage und der sozialen Gegensätze wird dieses Proletariat wieder zum Kampf zwingen: ein Proletariat, das solche Beweise von Standhaftigkeit geben kann, und in den Bergarbeitern seine Vortruppen hat. In der Umgebung von dunkelstem Konformismus, die den ganzen Erdball erfasst, ist das Beispiel der englischen Bergarbeiter schon heute die Ankündigung der unwiderstehlichen Kraft, die im Herzen und in den Fäusten des Proletariats geborgen ist. Möge dieses Beispiel den Anfang eines mächtigen Wiederauflebens des Klassenkampfs darstellen!

Source: »Kommunistisches Programm«, Nr. 2, Juli 1974

[top] [content] [last] [home] [mail] [search] [webmaster] [get pdf]


you arrived from:

pagecolour: [to the top]