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21 JAHRE NACH DER ROTEN KOMMUNE VON BERLIN
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21 Jahre nach der roten Kommune von Berlin
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21 Jahre nach der roten Kommune von Berlin
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(1) Absichtlich haben wir die Chronologie beiseite gelassen, um nicht unsere kleine Stimme mit dem lärmenden Chor der westlichen Schreiberlinge zu vermischen, die geschäftig im Dienste der amerikanischen Krake die heroische und missglückte Berliner Kommune von Juni 53 feierten.

Wir gedenken ihrer mit Verspätung, um sie für das Proletariat gegen ihre bürgerlichen Totengräber zu beanspruchen.

Die Kunst der Augenwischerei und der Gehirnwäsche hat in der seligen Welt der westlichen Bourgeoisie den Gipfel der Perfektion erlangt. Die rebellierenden Berliner Proletarier wurden in Apostel der parlamentarischen Demokratie verwandelt. Dieselben Journalisten, die damals klar und deutlich berichteten, wie der Senat und die alliierten Mächte in West-Berlin eine teuflische Angst hatten, dass das Feuer des proletarischen Aufstandes in der russischen Zone auf die Viertel übergreifen würde, wo man sich für die Freiheit entschieden hatte, dieselben Journalisten, verbreiten jetzt mit Getöse, dass die Berliner Kommune eine Episode des kalten Krieges, und ihre Märtyrer Apostel der »Freien Welt« seien. Die Sozialdemokraten, die dafür sorgten, die Massen still zu halten und deren Eintritt in eine Solidaritätsbewegung mit den Genossen der anderen Seite des »Eisernen Vorhangs« zu verhindern, feiern die Leichen als ihr persönliches Pachtgut.

Es war eine Orgie von Lobgesängen auf die ewigen Prinzipien und ihre amerikanische Festung.

Aber das Geschrei der Schreiberlinge genügt nicht, um die Wahrheit ganz zu verschütten. Die Bewegung von Berlin war so eindeutig proletarisch, dass, wie früher zur Zeit der Pariser Kommune, die nationalen Heere sich im Krieg vereinigten, und eines wartete bis das andere die Rebellen ausgerottet hatte. Genauso »schauten die Besatzungsarmeen zu«, als die Arbeiter von Ostberlin sich erhoben, und die russischen Panzer wie Walzen über ihre Körper hinwegrollten, während in den katholischen und evangelischen Kirchen der liebe Gott noch einmal beschworen wurde, damit bloss die Flamme nicht um sich greife.

In Washington waren gerade die Republikaner an die Macht gekommen - die Bahnbrecher der politischen »Initiative« und der antirussischen Gegenoffensive. Dennoch machte sich nicht ein westlicher Panzer auf in Verteidigung der Proletarier, die heute als heldenhafte und unglückliche Kämpfer der »ewigen Prinzipien« gefeiert werden.

Schön - wenn auch unbequem - ist der kalte Krieg; hässlich und lästig ein proletarischer Aufstand. Mit den Herrschern jenseits der Grenze treibt man Krieg... und Handel. Auf die Proletarier hinter dem Eisernen Vorhang kann man nur schiessen, oder abwarten, bis die »Erzfeinde« auf gemeinsame Rechnung losschiessen. Mit dem Kreml kann man friedlich zusammenleben. Mit den Proletariern kann man es eben nicht. Und die grosse Angst wurde gebannt.

Niemand hatte den heftigen und plötzlichen Ausbruch einer proletarischen Rebellion im besetzten Berlin vorausgesehen. Nur wenige hatten die Pariser oder die Petersburger vorausgesehen. Und dennoch sind alle beide hervorgebrochen.

Alle beide haben am lebendigen Leibe gespürt, wie die sogenannten Kriegsfeinde sich plötzlich in eine einzige Front aufstellten, Die schonungslose marxistische Analyse von 1871 hat sich in der Geschichte wiederholt und ist dazu bestimmt, sich noch einmal zu wiederholen

Der Aufstand wurde nicht vorausgesehen. Vorauszusehen war aber, dass er - leider - erbarmungslos niedergeschlagen werden würde. Leuchtende aber lokalbegrenzte Episode im alles mitreissenden Meer bürgerlicher Reaktion musste die Berliner Rebellion im Vergleich zur Pariser Kommune mit einem enorm höheren Grad an Energie ausbrechen. Sie konnte daher nicht einmal, wie die Kommune von 1871, die Macht erobern und wenigstens zeitweilig behaupten. Berlin 1953 war von den Trümmern der zerstörten und zersplitterten, internationalen revolutionären Bewegung umgeben; von der um sich greifenden Infektion des Verrats und des Opportunismus; von den internationalen Kräften der Repression die von West und Ost zum Zweck der Ordnungshütung geschickt aufgestellt waren. Der »Cordon Sanitaire«, mit dem der Kapitalismus die russische Kommune von 1917 etwas spät umzingelte, wurde jetzt, in dieser Nachkriegszeit, ohne Verzug vorbereitet und angewandt. Fast zehn Jahre nach der »Befreiung« ist Deutschland immer noch besetzt und wird es weiterhin bleiben. In dieser verpesteten Umgebung erlosch die Berliner Kommune und musste, unglücklicherweise, erlöschen. Der harte Weg des proletarischen Wiederbeginns hat kaum angefangen, aber die Gefallenen von Berlin haben diesen Wiederbeginn angekündigt. Ihn zu vollziehen, vermochten sie nicht.

Und darum verkünden wir heute wie gestern: Berliner Kommune: grosses weit entferntes Ziel. Mögen die Demagogen und falschen Aktivisten ruhig protestieren. Nicht durch Augenwischerei, sondern, indem man den Tatsachen in die Augen schaut, wird die zukünftige rote Kommune vorbereitet. Die Kommune wird nicht durch Schwindeleien, nicht durch demagogische Versuche, nicht durch »Dialoge« zwischen gegensätzlichen Strömungen vorbereitet, sondern durch die unabwendbare materielle Entwicklung und die harte, hartnäckige Arbeit zur Wiederherstellung der Theorie und der Organisation - nicht vieler, sondern einer einzigen, kein Mosaik, sondern monolithischer Block - der revolutionären internationalen Bewegung. Dann wird die Blutrache der Toten von 1871, von 1917 und von 1953 kommen, von den Toten, die warten, dass wir den Faden ihres gigantischen Kampfes wiederaufnehmen.

Notes:
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  1. Der Übersetzung vorangestellt war dieser Kommentar:
    »
    Auch in diesem Bulletin gehen wir auf die Berliner Kommune ein, und zwar mit einem in unserer Presse 1954 erschienenen Artikel zu ihrem Gedenken. Die in der Konterrevolution schon bei ihrem Ausbruch zum Scheitern verurteilte Berliner Kommune zeigt in ihrer Beispielhaftigkeit, wie die ihr vorausgegangenen Kommunen, zwei wesentliche Aspekte unserer Lehre. Der eine, allen Einheitsfronttaktikern zum Trotz, bestätigt in der Geschichte nun schon zum x-ten Mal die Einigkeit der Bourgeoisie und aller ihrer Sprachrohre, wenn es darum geht, einen proletarischen Aufstand niederzuschlagen; der andere die durch die materielle Entwicklung unabwendbare Notwendigkeit zur Wiedererstehung der internationalen revolutionären Klassenpartei um die Diktatur des Proletariats im Sinne aller früheren Versuche zu errichten. Wir brauchen dem Artikel von 1954 nichts hinzuzufügen, denn in ihrem Standpunkt gegenüber dem Proletariat bleibt die Bourgeoisie - von West und Ost - ewig invariant, genauso bleibt der Standpunkt des Proletariats invariant, und wir Dogmatiker müssen ihn ständig wiederholen[back]

Source: »Kommunistisches Programm« [damals noch erschienen unter dem Titel: »Auszüge aus der Presse der Internationalen Kommunistischen Partei«], Nr.2, Juli 1974, übersetzt aus »Il Programma Comunista« Nr.13, Juli 54.

Text im April 2000 stellenweise berichtigt. sinistra.net

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