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STOSS IN DAS HERZ DER BESTIE
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Stoss in das Herz der Bestie
Der aussichtslose »Kampf gegen den Terrorismus«
Das »Grosse Spiel«, oder »America's new war«
Fundamentalismus, Panislamismus
Der Reichstag, Pearl Harbour und das World Trade Center
Das Ende des »Grossen Spiels«...
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Stoss in das Herz der Bestie
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Am 11. September 2001 erlebten die Bürger New Yorks und die notorischen Schreibtischtäter des Pentagons, was bis dato nur für Menschen ausserhalb der USA - und unter deren tatkräftigen Mithilfe - erlebbar war: Krieg! Eines der vier entführten zivilen Flugzeuge steuerte auf das Pentagon zu, zwei andere hatten das Symbol amerikanischer und internationaler Wirtschaftspotenz, das WTC (»World Trade Center«) zum Ziel, quasi umfunktioniert zu fliegenden Kerosinbomben. Während die Zerstörungen des Pentagons verhältnismässig gering ausfiel, brachen die beiden über 400 Meter hohen Türme des WTC wenig später nach dem Einschlag der Maschinen zusammen und begruben Tausende von Menschen unter sich (die gegenwärtigen Schätzungen belaufen sich auf über 6000 Tote, einschliesslich der Rettungskräfte).

Während in den meisten vom kapitalistischen Wohlstand heimgesuchten Ländern das Entsetzen über die menschenverachtende Tat überwog und sofort regierungsamtlich und privatwirtschaftlich organisiert wurde, gab es bei etlichen Bevölkerungen derjenigen Staaten, in denen das Leiden des Kriegs vorrangig von US-Bombern und US-Truppen importiert wurde, zum Teil sogar unverhohlene Freude, ein Gefühl der Genugtuung für all die Brutalitäten, die das »Reich des Guten« ihnen zum Teil seit mehr als hundert Jahren mitleidslos zugefügt hatte. Man mag es keinem Vietnamesen verdenken, der die permanenten Bombardements durch die Amerikaner während des Vietnamkriegs erlebt hatte, der Bevölkerung Bagdads oder Belgrads, den Opfern der von US-Militärberatern ausgebildeten Todesschwadrone in Lateinamerika - und diese Liste liesse sich nahezu beliebig fortsetzen.

Der Krieg, jedenfalls diese Art Krieg, ohne Rücksicht auf Verluste, ein Krieg der einen Bourgeoisie gegen die andere, kehrt nun zu einem seiner Ausgangspunkte zurück. Die »Festung USA«, die sich unangreifbar wähnte und die letzten Löcher im militärischen Schutzschild mit Hilfe weltraumgestützter Waffen abzudichten trachtet, wurde zum ersten Mal seit langer langer Zeit direkt und unmittelbar angegriffen und an empfindlicher Stelle getroffen: an »den Säulen von Freiheit und Demokratie«, wie uns aufklärerisch die Trauer- und Festtagsredner der Bourgeoisie aller Herren Länder versichern. Sehen wir uns diese Säulen einmal an: das WTC, in dem weltweit agierende Firmen eine wohlfeile Adresse hatten, um von dort ihre weltweiten Geschäfte, sprich Ausbeutung der Arbeiter und Profitmaximierung, betrieben, und das Pentagon, das sich für die weltweite Aufrechterhaltung der Ausbeuterordnung des Kapitals zuständig fühlt und eiskalt dafür sorgt, die Hegemonie des US-Kapitals gegenüber der anderen imperialistischen Konkurrenz zu bewahren. Spätestens jetzt müsste auch die letzte Schlafmütze verstanden haben, aus was für einem Stoff »Freiheit und Demokratie« (Kürzel = »westliche Zivilisation«) gemacht ist.

Aber es sind nur falsche Versprechen, die uns die legalen Kriegstreiber der verschiedensten bürgerlichen Regierungen machen, leider ist ihre Zivilisation nicht in Gefahr, leider steht nicht ein Millionenheer bewaffneter Arbeiter der Bourgeoisie gegenüber und zwingt sie in die Knie, um der Diktatur des Proletariats und damit dem Kommunismus, einer Gesellschaft ohne Ausbeutung und Kriege, den Weg zu bahnen. Hier stehen sich nur bürgerlicher Terrorist und bürgerlicher Terrorist gegenüber, Bourgeois gegen Bourgeois. Sie bedrohen nicht die kapitalistische Zivilisation, sondern sie illustrieren sie nur, schmücken sie aus mit den Leichen, über die sie schon seit Jahrhunderten skrupellos in ihrer Profitgier hinweggehen und die sie je nach Bedarf in Gute und Schlechte, in Helden und Mörder, in Opfer und Täter einteilen - oder als »humanen Kollateralschaden«, wenn ihre ungezählten Opfer es nicht persönlich nehmen sollen, wie etwa auch die kommenden »unbeteiligten« Opfer der US-Gegenreaktion in Afghanistan und anderswo. Diese dürfen sich dann beglückwünschen, für den guten Zweck der Verteidigung des Status quo der weltweiten Ausbeuterordnung krepiert zu sein - allerdings Gedenkminuten nicht inklusive.

»Besser« haben es da die »unschuldigen« Opfer des Anschlags auf Pentagon und WTC. Sie dürfen noch als Grund herhalten, das imperialistische Karussel kapitalistischer Konkurrenz erneut in Schwung zu bringen, und den Kriegstreibern als Sprungbrett zu weiterer Expansion und zur Herrschaftsbefestigung dienen - und sogar doppelt, nach innen wie nach aussen. Die heissen Krieger, die Sachwalter des Kapitals fast aller Regierungen der Welt, blasen zum »letzten Gefecht gegen den Terrorismus« (und nehmen sich, wie selbstverständlich, davon aus), mobilisieren Armeen, Polizei und Paramilitärs, Geheimdienste und Spitzelhorden, fordern Gesetzesverschärfungen nach innen, die ihnen schon lange auf den Nägeln brennen, das »günstige politische Klima« dafür ausnutzend, das sie erst, unter tätiger Mithilfe ihrer knechtischen Lakaien der Medien, dafür vorbereitet haben. Denunziation, Rasterfahndung, Telefon- und Internet-Überwachung, inländischer Armee-Einsatz, die ganze Mottenkiste des staatlichen Repressionsapparats wird - mit Segen der christlichen Kirchen, der Vertreter der islamischen und jüdischen Glaubensorganisationen, der offiziellen Gewerkschaften usw. - über die Gesellschaft geleert. Regierungen, Unternehmerverbände und Gewerkschaften, Behörden, Schulen und alles was in der bürgerlichen Gesellschaft sonst noch ganz oder halb eine Funktion ausübt, organisieren repressiv Betroffenheit, ordnen Halbmastbeflaggung und Gedenkminuten an - für fünf Minuten wird der kollektive Mitmensch inszeniert, der danach - wie auch vor und während der heuchlerischen Schweigensorgie - vergessen soll und darf, dass dieses kapitalistische Ausbeutungssystem pro Minute 26 000 Menschenleben fordert, die an Hunger und Unterernährung sterben, und dass dieses wirtschaftliche System, unter welchem Vorwand auch immer, im Verlauf seiner nicht zu langen Geschichte mehr Menschenleben mit Haut und Haar verschlungen hat, als irgendeine andere Produktionsweise zuvor!

Wer in den wirtschaftlich weniger oder gar nicht begünstigten Gebieten dieser Welt lebt und dieses vom weltweiten Kapitalismus erzeugte Elend beständig vor Augen hat, oder gar am eigenen Leibe verspürt, lässt sich sicher leichter zu »heroischen« Taten, wie etwa einem »Selbstmordattentat« überreden, als der verständnislos dreinblickende westliche Durchschnittsspiessbürger der kapitalistischen Metropolen. Ersterer lässt sich leichter vor einen Karren spannen, auf dem zwar hinten auch der Bourgeois die Peitsche schwingt und ihn antreibt, ihm aber vorgaukelt, so oder so ins himmlische oder kapitalistische Paradies zu gelangen. Der westliche Durchschnittsspiesser hingegen wähnt sich schon mehr oder weniger im bestmöglichen irdischen Paradies, wo es nur noch darauf ankommt, den Gesetzen und Kommandos des Kapitals Folge zu leisten. Ihn trifft und schockiert es besonders, wenn der Krieg mit gleicher Wucht und Schonungslosigkeit dorthin zurückkehrt, von wo er permanent ausgeht, und auch wenn er nicht versteht, was eigentlich vor sich geht, er sich wahrscheinlich seiner nationalen Regierung ohnmächtig und schutzsuchend unterordnet, so bleibt doch möglicherweise ein ungutes Gefühl zurück, ein Skrupel, eine Verunsicherung, die ihn bei seiner Tätigkeit im Dienste des hegemonialen Kapitals hemmt. Das ist die psychologische Seite der Kriegskampagne der legalen Staatsterroristen gegen den »Terrorismus« schlechthin, sie soll auch die unbefangene Skrupellosigkeit im täglichen Business unter den Angestellten und Agenten des Kapitals und ihrer Regierungen wiederherstellen.

Unter der Arbeiterschaft, zumindest in Westeuropa, ist der Blick auf die Realität nüchterner. Viele Arbeiter entzogen sich den amtlichen Trauerkampagnen nach Möglichkeit, weil sie die Verlogenheit solcher Aktionen durchschauten und den für einen kurzen Moment vor Menschlichkeit triefenden Chef oder Gewerkschaftsfunktionär in durchaus häufiger auftretenden anderen Momenten gänzlich anders erleben. Ausserdem erfahren sie täglich im praktischen Leben, durch die herrschende Fabrik- und Unternehmensdespotie, dass es dem Kapital nicht um Menschlichkeit, sondern um ihren Umsatz, um ihren Profit geht, dass »Demokratisierung der Arbeitswelt« oder »menschenwürdige Produktion« nur die hohlen Phrasen einer verkrusteten und mit dem Kapital verfilzten Gewerkschaftsbürokratie sind.

Der aussichtslose »Kampf gegen den Terrorismus«
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Nach dem Tenor fast aller Regierungen der Welt, wie auch immer die Staatsform ist, die sie an der Macht hält, heisst der Gegner schlichtweg »Terrorismus«. Darunter verstehen diese Damen und Herren nicht ihre eigene Regierungs- und Ausbeutungspraxis, nicht ihre eigenen Gelüste auf fremde Territorien und Bodenschätze und ihre mehr oder weniger subtilen Praktiken zur Durchsetzung ihrer Ziele, sondern es geht lediglich um eine Art Modus, wie diese Konkurrenz untereinander ausgetragen werden soll: legalistisch. Die einen nennen es dann schwülstig »die Spielregeln der Zivilisation«, »demokratische Mittel«, andere verstecken sich hinter juridischen Formeln, die durch staatliche Gewalt sanktionierte Zustände »garantieren« und daher »unveräusserlich« sind, usw. Hinter diesen Formulierungen verbirgt sich nichts anderes, als die Verteidigung der erreichten Macht- und Territorialpositionen gegenüber der jeweiligen Konkurrenz. Die russische Regierung bekämpft die tschetschenischen Separatisten als Terroristen, weil der nördliche Kaukasus zu ihrer »Interessenssphäre« gehört, also weiterreichende strategische Regionalinteressen eine Rolle spielen, auch wenn in diesem Krieg mehr zivile Opfer durch die russischen Regierungstruppen zu beklagen sind, als bei den kürzlichen Anschlägen. Die ceylonesische Regierung bekämpft die tamilischen Terroristen mit der gleichen »Effektivität«. Die europäischen Kolonialmächte zogen sich erst dann aus ihren Kolonien zurück, als klar war, dass ihre terroristischen Methoden der Unterdrückung der kolonisierten Völker den Gewinn aus dem Kolonialbesitz hinfällig machte. Als nach dem Tode Titos die Schlächter Jugoslawiens aus ihren Startlöchern krochen, um den Kuchen neu aufzuteilen, beeilte sich die BRD damit, die kroatischen separatistischen Kräfte, deren terroristischer Vorhut sie jahrzehntelang im Namen des »Antikommunismus« Unterschlupf gewährte, diplomatisch anzuerkennen und ihren Greueltaten wurde stillschweigendes Verständnis entgegengebracht. Die USA wiederum finanzierte die Aufrüstung der UCK im Kosovo und wurde so zu einem der Förderer des Kosovo-Krieges. Sie war es auch, die, wiederum im Namen des »Antikommunismus«, den stockreaktionären, semifeudalen und theokratisch-islamistischen »Widerstand« in Afghanistan förderte und zur Blüte brachte, nur um den Einfluss der UdSSR in der Region zu brechen. Nach Phillip Agee, einem ex-CIA-Mann, steckte die CIA über 3,5 Milliarden US-Dollar in die verschiedenen Mudschahedin-Gruppen, darunter auch in die Truppen Osama bin Ladens, versorgte diese mit hochmodernen Waffen, unter anderem auch mit Stinger-Raketen. Dies entsprach dem Konzept des Pentagon, das den von ihm organisierten Terrorismus mit dem Begriff »low intensity warfare« (»niedrigintensive Kriegführung«) tarnte. Milliarden wurden so nicht nur in Afghanistan ausgegeben, sondern auch in Zentralamerika und Angola, wo die amerikanischen Söldner fast unvorstellbare Greuel, Verstümmelungen und Folterungen an der Zivilbevölkerung vornahm. Als die jüdischen Siedler in Palästina die britische Kolonialmacht vertrieben, galten die Israelis als Terroristen. Heute geniesst Israel legalen Status und die israelische Regierung terrorisiert legal die palästinensische Bevölkerung. Exterrorist Arrafat, der einst »die Juden ins Meer treiben wollte« und der »bin Laden der 70er-Jahre« war, ist im imperialistischen Ränkespiel zur Kontrolle des Ölnachschubs für die Industrieländer zu einer international respektablen Person aufgestiegen, der im Kreise der weltweiten Bourgeois Anerkennung gefunden hat, die er aber nur behält, wenn er sich fähig zeigt, das darbende palästinensische Proletariat niederzuhalten und den »demokratischen« Spielregeln zu unterwerfen - wenn es sein muss, natürlich auch mit Waffengewalt, eine Rolle, die die PLO schon immer ausgeführt hat.

Der Terrorismus, mit dem wir hier - wie bei den Anschlägen auf Pentagon und WTC - zu tun haben, ist Ausdruck der innerkapitalistischen Konkurrenz, des Kampfes zwischen Bourgeoisie und Bourgeoisie. Er ist entweder Methode einer aufstrebenden Bourgeoisie, in die imperialistische Staatenkette eingegliedert zu werden, oder einer bestehenden Bourgeoisie, innerhalb dieses Gefüges neu bewertet zu werden, oder aus einer bestehenden Staatsstruktur auszubrechen, um noch mehr Profit aus ihrer produktiven und territorialen Basis herauszuschlagen. Es fungiert diese Art des Terrorismus auch als vorgeschobene Front, bei der man nach aussen den Schein der Legalität gegenüber der Öffentlichkeit oder anderen Regierungen wahren kann. Schliesslich können sich in »unabhängig« operierenden Gruppen wechselnde Konstellationen der Zielrichtung ergeben, oder gar Einzel- oder Gruppeninteressen bestimmter Bourgeois oder Bourgeoisfraktionen widerspiegeln. Das also sind alles die »Spielregeln«, an die sich ausgerechnet die Truppen bin Ladens nicht halten sollen?

Solange es Kapitalismus gibt, gibt es den Staatsterrorismus und den von Staaten oder bürgerlichen Interessensgruppen gesteuerten Terrorismus. Will man ihn bekämpfen, dann muss man den Kapitalismus als wirtschaftliches und politisches System bekämpfen und besiegen, und das kann natürlich keine noch so hochgerüstete bürgerliche Armee, keine Allianz bürgerlicher Staaten, die Urheber und Erzeuger eben dieses Terrorismus sind, sondern nur die im Kampf für den Kommunismus vereinte Arbeiterklasse aller Länder.

Das »Grosse Spiel«, oder »America's new war«
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Zentralasien ist der kommende Mittelpunkt imperialistischer Gegensätze. Hier stossen alle führenden imperialistischen Mächte bei der Verfolgung ihrer Interessen aufeinander, hier werden die Karten der imperialistischen Weltordnung neu gemischt. Im Chargon der bürgerlichen Politik und der Geheimdienste nennt man diesen künftigen Konflikt treffender Weise »the Great Game«, das »grosse Spiel«, und der Poker um Macht und Einfluss in der Region hat bereits begonnen. Der erste offizielle kriegerische Akt in diesem blutigen Spiel ging bereits, wie wir auch in unserem Artikel »Heisser Krieg zum kalten Buffet...« beschrieben haben, im Kosovo-Krieg von statten, das strategisch die Ausdehnung der EU bzw. NATO bis in die ölreiche Kaukasusregion vorbereitete (störungsfreier Verbindungskorridor von Westsüdeuropa bis zur Türkei) und die Zurückdrängung und Einkreisung Russlands beinhaltete.

Westeuropa und die USA beanspruchen ca. 45% der Weltölproduktion für ihren gewaltigen industriellen Apparat, Indien und China sind aufstrebende imperiale Ökonomien, deren Ölverbrauch in den kommenden Jahrzehnten enorm steigen wird. Da die Ölreserven auf der arabischen Halbinsel nicht ewig halten und teilweise schon zur Neige gehen, erhalten die Ölgebiete Zentralasiens vordringliches strategisches Interesse. Russland, das selbst zwar über ergiebige Ölreserven im Uralgebiet und Sibirien verfügt - und in Tschetschenien im Nordkaukasus, sofern es dieses Gebiet halten kann - kennt die Bedeutung der Beherrschung der Ölreserven in den ehemaligen Sowjetrepubliken, besonders in Zentralasien, namentlich auch Tadschikistans, wo gewaltige Ölreserven, grenzüberschreitend zu Afghanistan, gefunden wurden. An diesen Quellen hat natürlich auch der Iran Interesse, aber auch Saudi Arabien im Interesse einer Kontrolle künftiger Konkurrenz, und Pakistan, das von der geplanten Pipeline, von Afghanistan kommend durch ihr Territorium ans Meer führend, profitieren will und den Taliban bereits Unterstützung beim Aufbau ölverarbeitender Industie zugesagt hat.

Prekärerweise liegen aber bis heute keine definitiven Erkenntnisse über die tatsächlichen Ausmasse der Ölvorkommen im zentralasiatischen Raum und im Kaspischen Meer vor. Das »Grosse Spiel« wird diesbezüglich mit vielen Unbekannten ausgetragen, das heisst, einige Veränderungen im internationalen Ölgeschäft können alle Absichten, Planungen und vor allem Investitionen zunichte machen. Allein eine Aufhebung des Embargos gegenüber dem Irak, dem ein Export des Öls bisher nur äusserst restriktiv erlaubt wird, könnte die Rentabilität des kaspischen und zentralasiatischen Öls in Frage stellen. So bleibt die Aufrechterhaltung des Embargos ein sicherer »Investitionsschutz« für die am Spiel beteiligten Nationen, die 3000 Kinder, die monatlich infolge des Embargos im Irak sterben, sind für die internationale imperialistische Bourgeoisie lediglich »Bauernopfer«.

Abgesehen von den Ölinteressen träumen die bürgerlichen Strategen von einer Neuauflage der alten Seidenstrasse, sprich einem Verbindungskorridor zwischen den wachsenden Ökonomien Ostasiens und den Industriezentren Westeuropas. Für die Verbindung Südasiens mit diesem Korridor sind Afghanistan und Pakistan - unter der Voraussetzung eines indisch-pakistanischen Agreements - Schlüsselländer. Die nördlich angrenzenden ehemaligen Sowjetrepubliken verstärken bereits seit einigen Jahren ihre Zusammenarbeit mit den USA und lösen im Interesse ihrer Eigenentwicklung Stück für Stück ihre alten Bande mit Russland, das ihnen während der sowjetischen Zeiten ein halbkoloniales Gepräge gegeben hatte. Mit Hilfe des Öls und der erhofften Warenströme zwischen Westeuropa und Ost- und Südasien hoffen die Bourgeoisien dieser Länder, einen erklecklichen Anteil an den Weltmarktsgeschäften zu erhalten.

Um den latenten Überproduktionskrisen nach Möglichkeit auszuweichen ist das internationale Kapital, getrieben vom ökonomisch determinierten Expansionswahn, gezwungen, beständig neue Märkte aufzutun, um die Warenströme flüssig zu halten, und neue Rohstoffquellen zu erschliessen und sich anzueignen, um die Produktion anzuheizen und steigern zu können - und damit den Profit -, was wiederum zu noch gigantischeren Warenbergen führt, zu neuen, noch gewaltigeren Überproduktionskrisen. Für die jetzigen und künftigen Hauptakteure der Weltwirtschaft erscheint die Einbindung Zentralasiens in diese Todesspirale des Kapitalismus der optimalste Ausweg zu sein, der Ort, an dem sich die Weiterentwicklung des Weltkapitalismus in nächster Zeit entscheidet. Es gilt, und daran haben fast alle Beteiligten ein Interesse, die Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die dieser Entwicklung entgegenstehen. Das ist der eigentliche Inhalt von »America's new war«.

Fundamentalismus, Panislamismus
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Das grösste Hindernis in dieser Region stellt Afghanistan dar, das seit dem Abzug der Sowjettruppen in den Händen einer die alten Stammesstrukturen, vor allem der Paschtunen, revitalisierenden und repräsentierenden, sich theokratisch gebärdenden Truppe ist, die, auch wenn sie ihren Aufstieg den Geldern Amerikas und Saudi-Arabiens verdankt, sich einen feuchten Kehricht um die »lebenswichtigen Interessen« des Weltkapitals kümmert und sich wenig kooperativ zeigt, zutiefst konservativ ist und repressiv das Unmögliche versucht, nämlich das vorkapitalistische Afghanistan wiederherzustellen. Diese gnadenlosen und stockreaktionären »Romantiker« bieten denn auch ihren vermeintlichen Glaubensbrüdern Schutz, die sich als »islamische Fundamentalisten« ausgeben, in Wirklichkeit aber Anhänger und Verfechter des Panislamismus sind, einer Ideologie, die die Einheit aller islamischen Bourgeoisien und Nationen, gar eine »islamische Nation« propagiert (was sie von den Zionisten abgeguckt haben), um damit den Kampf um die Vorherrschaft auf dem Weltmarkt zu führen und in ihm Boden zu gewinnen. Es ist eine ausgeweitete, aktualisierte, dem Stand der imperialistischen Konkurrenz entsprechende Variante des früheren, ebenso zur Hoffnungslosigkeit verdammten Panarabismus.

Wie alle bürgerlichen Ideologien geht der Panislamismus von der falschen Prämisse aus, dass nicht die materiellen Bedingungen, sondern das Bewusstsein die Handlungen der Menschen und Gesellschaften bestimmen. In Wirklichkeit eignen sich aber die einzelnen Menschen wie die Gesellschaften das zu ihrer Praxis passende Bewusstsein an, es leitet sich aus den materiellen Bedingungen ab. Eine Verbindung aller »islamischen« Länder wird es ebensowenig geben, wie eine Einigung der »arabischen« Nationen unter der Parole des Panarabismus, dessen Ideologie unter anderem noch von Libyen gepflegt wird. Zu verschieden sind die Lebensumstände, Entwicklungsstufen, Klassenschichtungen und die internationalen Verflechtungen in den einzelnen Ländern. Der Panislamismus bietet allenfalls das ideologische Gerüst für brüchige Allianzen zwischen einzelnen Staaten, die sich durch die beständig verändernden inneren und äusseren Verhältnisse stets sehr schnell auflösen. Andererseits besitzt der Panislamismus als abstraktes Denkmodell - dem man durch entsprechende Bewegungen, Organisationen und Aktionen konkreten Ausdruck verleiht - das Potential, als dräuende reale Gefahr für die bestehende imperialistische Weltordnung zu erscheinen, was den einzelnen »islamischen« Staaten mehr Gewicht innerhalb der imperialistischen Staatenkette verschafft.

Der islamische Fundamentalismus hingegen fungiert als Zementideologie, ähnlich wie die nazistische Rassenlehre, um innerhalb eines Landes die sozialen Widersprüche zu überdecken und das Volk, im Falle breiter Mobilisierung, hinter die führende Bourgeoisie, eine ihrer Fraktionen, oder einer sonstigen herrschenden Schicht zu scharen. In ihm drücken sich vor allem, wie in der faschistischen Ideologie, die deklassierten traditionellen und modernen Mittelschichten aus, deren Lebensperspektiven gehemmt sind durch die beschränkte Aufnahmefähigkeit der jeweiligen Ökonomien an proletarisierten (und also enteigneten) Kleinbauern und Angestellten aller Art. Diesem realen Unvermögen der in der imperialistischen Weltordnung umherstrauchelnden »islamischen« Staaten wird ein verklärtes, rückwärtsgewandtes, mittelalterliches Bild einer sozialen Gesellschaft entgegengesetzt, die unverwirklichbare Träume von wirtschaftlicher Autarkie, Herausdrängung der Frauen aus dem Produktions- und Gesellschaftsleben und ähnliche Schrullen beinhalten.

Der sich fundamentalistisch gebende gewaltbereite Panislamismus à la bin Laden nutzt diese Erscheinungen in den traditionell islamisch geprägten Ländern und Regionen für seine »antiimperialistische« Zielsetzung aus, die, wie alle »antiimperialistische« Rattenfängerei, nicht dem Kapitalismus und dem daraus entspringenden Imperialismus ein Ende setzen, sondern die weltweiten Machtverhältnisse lediglich auf gleicher Grundlage umändern will. Dieses Geschäft beherrscht auf's Beste der Multimillionär bin Laden, Erbe eines Bauunternehmers, der erklärte Todfeind des Multimillionärs Bush, einem früheren Ölaktionär, deren Familien einige Jahre vorher geschäftlich miteinander verwickelt waren.

Wie wenig der Panislamismus bin Laden'scher Art offiziell bei den meisten Regierungen der islamisch geprägten Länder gefragt ist, ergibt sich allein schon aus der ideologischen Verbindung bin Ladens mit dem islamischem Fundamentalismus. Die fundamentalistischen, soziale Spannungen in der Gesellschaft aufgreifenden Strömungen und deren populistische Forderungen stellen bis zu einem gewissen Grade auch eine Gefahr für die herrschenden Klassen dar, deren Akkumulationstrieb gehemmt und deren Profit sozial verteilt werden soll, in Anlehnung an die »osmanische Produktionsweise«, die über Jahrhunderte das gesellschaftliche Mehrprodukt unproduktiv abschöpfte und daran letztendlich zugrunde ging. Andererseits mag die eine oder andere Bourgeoisie aus dem islamischen Raum mit den antiamerikanischen Aktionen bis zu einem gewissen Grad symphatisieren oder sie gar unterstützen, wenn sie damit nicht unmittelbar in Verbindung gebracht wird und sich doch einen Vorteil davon verspricht. Und inwieweit der Multimillionär bin Laden weiterhin seine Dienste anbietet, für andere Kunden als seinerzeit die USA und Saudi Arabien, das entzieht sich freilich unserer Kenntnis. Fakt ist jedoch, dass beim Schmieden der »antiterroristischen Allianz« zahlreiche islamische Staaten doch auf ihre Kosten kommen, wenn etwa die USA ihre gegen Pakistan verhängten Sanktionen aufgeben, Israel zu einem »Friedensschluss« mit den Palästinensern drängen, ihre Geldzuwendungen in die »islamische Welt« erhöhen, die zentralasiatischen Staaten aus der historisch bedingten russischen Umklammerung lösen und zu einem »Joint Venture« mit dem amerikanischen Kapital einladen.

Der Reichstag, Pearl Harbour und das World Trade Center
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Als am 27. Februar 1933 der Reichstag in Flammen aufging, beschuldigten die Nazis die Kommunisten und veranlassten den Reichspräsidenten Hindenburg einen Tag später eine Notverordnung »zur Abwehr kommunistischer Gewalttaten« zu erlassen, mit der die wichtigsten sogenannten »demokratischen Grundrechte« ausser Kraft gesetzt wurden. Die wirklichen Umstände der Brandstiftung wurden nie geklärt, aber es lag immer der Verdacht sehr nahe, dass ein Terrorkommando der NSDAP der wirkliche Urheber der Brandstiftung war, um den Nazis den passenden Anlass für den repressiven innerstaatlichen Kurs zu geben und sich gleichzeitig als Verteidiger der demokratischen Institutionen zu präsentieren.

Unzweifelhaft ist, dass das Attentat auf Pentagon und WTC auf ähnliche Weise gebraucht wird wie der Reichstagsbrand, um von der Bourgeoisie seit langem ersehnte repressive Gesetze in einem Klima nach Innen hin durchzusetzen, wo sich von den Bänken der parlamentarischen Schwatzbuden in der westlichen Welt nur sehr vereinzelt Widerspruch erhebt und Kirchen, Gewerkschaften und andere grössere Organisationen zustimmend nicken, alles nur um »die Demokratie zu verteidigen«. Schliesslich war das WTC das ideale Ziel, um nicht nur die USA »betroffen« zu machen, sondern, aufgrund der weltweiten Herkunft der Opfer, so gut wie alle Staaten dieser Erde. Wäre vor dem Attentat eine militärische Intervention der USA in Afghanistan international unmöglich gewesen und weltweit als militärische Provokation riskantesten Ausmasses verstanden worden, darf die USA nun ihrem imperialistischen Krieg, politisch gedeckt von den Bourgeoisien der Welt, freien Lauf lassen. Das militärische Abenteuer wird nun durch die internationale Unterstützung mit Truppen und Gerät, Logistik und allem, was sonst noch dazugehört, kalkulierbarer und internationale Gegenreaktionen ausgeschlossen. Selbst das mit den Taliban kooperierende Pakistan, in der Zange zwischen fundamentalistischen Strömungen im eigenen Land, dem indischen Imperialismus an seiner Ostgrenze und der ungeheuren Verschuldung bei westlichen Gläubigern, erteilt den Amerikanern Durchmarschrechte - gegen Schuldenerlass natürlich, und Unterstützung durch die USA bei innenpolitischen Unruhen.

Die Gelegenheit ist günstig für eine militärische Intervention in Zentralasien und für die Errichtung eines amerikanischen Vorpostens im für die Imperialisten strategisch vitalsten Gebiet. Auch der geschichtliche Zeitpunkt ist gut gewählt, noch ist niemand der imperialistischen Bestie USA wirklich gewachsen, alle Länder der Erde stehen in der einen oder anderen Form in Abhängigkeit zur USA. Afghanistan ist politisch isoliert und durch den andauernden Bürgerkrieg und die inneren Widersprüche geschwächt. Darüberhinaus drängt die dümpelnde Weltwirtschaft unerbittlich nach einer neuen Ausbeutungs- und Anlagesphäre und der Deblockierung Zentralasiens für die ökonomische Expansion.

Gleichzeitig ist der militärische Einsatz gegen die »Islamisten« auch im Interesse der in der Region ansässigen Grossmächte Russland und China (wie auch Indiens), die in ihren Staatsverbänden starke muslimische Minderheiten haben, die nach mehr Unabhängigkeit und Einfluss, nach einem stärkeren Anteil am gesellschaftlichen Mehrprodukt streben. Wäre das WTC also nicht zum Einsturz gebracht worden, wäre dem US-Imperialismus sicher eine solch günstige Gelegenheit nicht entstanden.

Bin Laden bestreitet seine Beteiligung an den Anschlägen, und sicher wird das auch die US-Regierung und der amerikanische Geheimdienst tun. Trotzdem lässt sich die »Reichstagsthese« für die Anschläge nicht vollständig ausschliessen, auch Taten dieser Art gehören durchaus in das Repertoire der Verteidiger der bürgerlichen Freiheit und Demokratie. Im angesehenen amerikanischen Verlag »Doubleday« erschien im April 2001 das Buch »Body of Secrets« von James Bamford, der in den Regierungsarchiven Dokumente aufspürte, so zum Beispiel ein vom amerikanischen Generalstab unterzeichnetes Thesenpapier, wo es heisst: »Wir könnten im Gebiet von Miami, in anderen Städten Floridas oder gar in Washington eine kommunistische kubanische Terrorkampagne entwickeln, wir könnten ein US-Schiff in der Bucht von Guantanamo in die Luft jagen und Kuba dafür verantwortlich machen. Totenlisten in US-Zeitungen würden eine hilfreiche Welle der Entrüstung hervorrufen« (zitiert nach »The Baltimore Sun«, 24.4.2001). Dieses Vorhaben trug den Codenamen »Northwoods«. Bamford berichtet auch, dass die NSA (»National Security Agency« der USA) in den letzten Jahren regelmässig unverschlüsselte Telefongespräche bin Ladens aufzeichnete und Kongressabgeordneten und ausgewählten Besuchern der Behörde (mit über 25.000 Angestellten!) Gespräche bin Ladens mit seiner Mutter vorspielten.

Es ist also durchaus auch denkbar, dass die amerikanischen Geheimdienste, wenn sie sie nicht selbst organisiert, so doch von diesen Aktionen gewusst haben und ihnen freien Lauf liessen, mit dem Kalkül, daraus weltpolitisch Profit zu schlagen, um damit ihren Vorstoss nach Zentralasien zu rechtfertigen. Dies wäre die »Pearl Harbour«-Strategie: obwohl die US-Regierung klare Informationen über den Angriff der japanischen Armada auf Pearl Harbour 1941 hatte, überliessen sie der japanischen Marine das Feld. Damit hatten sie ihre Rechtfertigung für den Kriegseintritt und gleichzeitig die Zustimmung des grössten Teils der Bevölkerung für das darauf folgende Gemetzel erreicht.

Heute steuert die US-Regierung die Zustimmung zu ihren kriegerischen Abenteuern unter dem Vorwand, eine »Bedrohung für alle« auszuschalten, den »Terrorismus«. Sie schafft damit einen Kontext, der die eigentlichen Ziele und Absichten überdeckt, ihre Interessen in Zentralasien verschleiert und ihren staatlich organisierten Kriegsterrorismus legitimiert.

Das Ende des »Grossen Spiels«...
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Der Begriff des »Great Game« für den Konkurrenzkampf kapitalistischer Mächte im Gebiet des Kaukasus und Zentralasiens stammt nicht aus unseren Tagen, sondern aus der Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende: nachdem das Öl als Rohstoff in dieser Zeit immer wichtiger geworden war, vor allem um die riesigen Kriegsflotten der imperialistischen Länder zu unterhalten, waren die kaukasischen und zentralasiatischen Ölvorkommen schon einmal in das Zentrum imperialistischer Interessen gerückt. Das zaristische Russland rang mit England, Frankreich und Deutschland um die Vorherrschaft in dieser Zone. Der englische Royal-Dutch-Shell-Konzern kaufte 1912 die Besitzungen des französischen Bankiers Rothschild am kaspischen Meer. Mit einem Geheimabkommen mit Frankreich hatte sich England das kaspisch-kaukasische Gebiet als Interessenssphäre abgegrenzt, über 60 englische Firmen hatten weit über 20 Millionen £, alle Unternehmer der Entente über 40 Millionen £ investiert. Deutschland versuchte sich als Protektoratsmacht Georgiens Zugang zu diesem Gebiet zu verschaffen (und auch wieder im Verlauf des Zweiten Weltkriegs 1942).

Als 1917 in Russland die proletarische Oktoberrevolution begann, hatte England bereits Persien besetzt und schickte seine Truppen zwischen 1918 und 1920 nach Batumi am Schwarzen Meer und nach Asserbaidschan und besetzten das Gebiet militärisch. Erst die proletarische Rote Armee konnte 1920/21 die kaukasischen Gebiete für die Sowjetmacht erobern, in Asserbaidschan errang das Proletariat durch den Bakuer Aufstand vom Januar 1920 die Macht. Das »Great Game« von damals wurde durch die revolutionäre Macht des Proletariats für dieses Mal beendet.

Das neue, gegenwärtige »Grosse Spiel« sieht sich leider keiner proletarischen Macht gegenübergestellt, die den Machenschaften der Imperialisten ein Ende setzen könnte. Vielmehr drückt sich in den Ereignissen von New York und Washington auch die gegenwärtige Schwäche und quasi Abwesenheit einer revolutionären Bewegung innerhalb der Arbeiterklasse aus, was es den internationalen Bourgeoisien leicht macht, die wirklichen Ursachen von bürgerlichem Terror und Gegenterror - die kapitalistische Konkurrenz - zu überdecken durch falsche und verlogene Parolen über einen Krieg zwischen »reichen und armen« Nationen, zwischen »Zivilisierten« und »Unzivilisierten«, zwischen Religionen oder Rassen, zwischen »Gut« und »Böse« usw., um damit die Bevölkerung in ihre jeweiligen Kriegskonstellationen zu pressen und sie für sie zu mobilisieren.

Die Abwesenheit einer starken proletarischen Bewegung in den Metropolen des Kapitalismus, die allein den Zielen der Arbeiterklasse verpflichtet ist, begünstigt auch die »religiösen« Rattenfänger des Panislamismus und Fundamentalismus, die das Elend der Massen in den traditionell »islamisch« gefärbten Ländern dazu ausnutzen, diese Menschen vor ihren Karren zu spannen, um mächtiger als zuvor im brutalen Konzert der imperialistischen Konkurrenz mitzuspielen. Erst ein Wiedererstarken der Arbeiterbewegung in den Hauptländern des Imperialismus könnte diesem schändlichen Treiben ein Ende setzen, indem man die weltweite Perspektive des Kommunismus wieder in eine handfeste, reelle Sache verwandelt, die wieder Orientierungspunkt für alle Arbeiter der Welt wird, sei es in Arabien oder Europa, in Lateinamerika oder sonstwo.

Die einzige Macht, die in der Lage sein wird, bürgerlichem Terror und Gegenterror ein Ende zu setzen, ist das Proletariat, das weltweit vereint, geführt von einer einzigen und einheitlichen internationalen kommunistischen Partei, die kapitalistischen Kriegshetzer und Schlächter aller Länder mit dem kapitalistischen System selbst ausrottet. Der einzige Kampf, der sich für die Arbeiter zu führen lohnt, ist der Klassenkampf, der Kampf der Ausgebeuteten dieser Welt gegen die Ausbeuter in allen Nationen.

Im Feldzug des »Gotteskriegers« Bush (»God bless America«) gegen den »Gotteskrieger« bin Laden (»What we care for is to please Allah«) und ihrer Verbündeten haben die Arbeiter nichts zu gewinnen, im Gegenteil, in diesem Konflikt werden nur die Ketten geschmiedet, die künftig den für ihre Sache streitenden Proletariern angelegt werden. Die Verschärfung der Gesetze nach Innen, die Ausweitung der staatlichen Repressalien, der ideologische Druck auf die abhängig Beschäftigten, mit ihren Ausbeutern ins gleiche Horn zu stossen, all dies soll nur die Herrschaft der Bourgeoisie über »ihre« Ausgebeuteten stärken, alle Kriegstreiberei diese Herrschaft nur im internationalen Machtgefüge absichern. Darum darf es von proletarischer Seite keine Zustimmung zu den sogenannten »antiterroristischen« wie den kriegslüsternen Massnahmen »ihrer« Bourgeoisie geben.

Für uns gibt es nach wie vor nur einen Kampfruf: »Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!«, und nach wie vor arbeiten wir für die Perspektive der kommunistischen Weltrevolution, die dem permanenten Terror der Bourgeoisie in Krieg- wie Friedenszeiten für immer ein Ende setzt.

Source: K.G. (sinistra.net, September 2001)

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